Worte die die Welt verändern

Lesedauer: 6min

Von der Schönheit des Evangeliums

In mir selbst bin ich sündiger als ich jemals befürchtet habe, aber durch Jesus bin ich geliebter, als ich jemals gehofft habe. Mal angenommen, wir würden die Schönheit dieder Botschaft neu entdecken. Was könnte das bewegen? Denn haben diese Worte nicht genug Sprengkraft um die ganze Welt zu verändern?

Hey du,
mal angenommen ich müsste die Schönheit des Evangeliums in wenigen Sätzen beschreiben. Eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit. Wie soll ich die ganze geniale Geschichte Gottes mit den Menschen in einem Text zusammenfassen, den man in 10 Minuten unterwegs lesen kann?
Wage ich trotzdem den Versuch, fallen mir unter anderem drei Dinge ein, die für mich die besondere Faszination des Evangeliums ausmachen:

1. Mich fasziniert, dass Gott selbst das Evangelium ist
"Ich bin so fehlerhaft und schlecht, wie ich es nie für möglich gehalten hätte. Und ich bin durch Jesus angenommener und geliebter, als ich je zu hoffen gewagt hätte." So lautet eine einprägsame Kurzform der Botschaft des Evangeliums, der Guten Nachricht. Früher dachte ich, dass die Gute Nachricht des christlichen Glaubens deshalb gut ist, weil ich unverdient etwas Gutes von Gott bekomme: das Geschenk der Vergebung, die Belohnung einer Eintrittskarte in den Himmel und bedingungslose Liebe. Bis ich lernte, dass das Evangelium noch etwas viel Besseres beinhaltet! In 2.Korinther 4, 4 nennt Paulus das Evangelium die "Botschaft von der Herrlichkeit dessen, der Gottes Ebenbild ist - Christus". Und wenig später beschreibt er die Gute Nachricht als "Herrlichkeit Gottes im Angesicht von Jesus". Damit wird deutlich:
Die Gute Nachricht ist nicht in erster Linie deshalb gut, weil wir etwas von Gott bekommen. Weit gefehlt: Die Gute Nachricht ist deshalb grandios, weil wir Gott selbst bekommen! 
Gott selbst ist das Evangelium. Mit anderen Worten: Das höchste, beste, begeisterndste, ausschlaggebend Gute des Evangeliums ist die Herrlichkeit Gottes, die uns in Jesus begegnet und die wir durch ihn für immer genießen können (nach John Piper). Der deutlichste Beweis der Liebe Gottes zu uns Menschen besteht darin, dass Jesus, der Sohn Gottes, selbst für uns gestorben und auferstanden ist, damit wir in Ewigkeit frei sind und die Möglichkeit haben, gemeinsam mit ihm zu leben. Gott gibt sich selbst hin für uns, damit wir ihn für immer bekommen. Das begeistert mich.

2. Mich fasziniert, dass das Evangelium mit eine Identität gibt, die mir nichts und niemand rauben kann
Die meisten Menschen, die ich kenne, haben auf die eine oder andere Weise mit ihrem Selbstwert zu kämpfen. Wir leben in einer Kultur, die uns ständig vermittelt, dass unser Wert von unseren Erfolgen, unserer Leistung, unserem Aussehen, unseren Gaben oder der Anerkennung abhängt, die uns andere entgegenbringen. Madonna, eine der größten Popstars der Geschichte, hat das in einem Interview sehr eindrücklich zum Ausdruck gebracht: "Ich verfüge über einen eisernen Willen und habe immer versucht, dieses schreckliche Gefühl der Unzulänglichkeit aus bloßer Willenskraft zu überwinden... Ich kämpfe dagegen an, und es gelingt mir immer wieder, mich für etwas Besonderes zu halten. Doch schon hinter der nächsten Bühne kämpfe ich wieder gegen die Angst an, nur zweitklassig zu sein... Das wiederholt sich immer wieder und immer wieder. Diese Angst vor der Mittelmäßigkeit treibt mich an, sie peitscht mich durchs Leben. Denn obwohl ich schon längst eine Berühmtheit bin, muss ich mir selbst unablässig beweisen, dass ich wirklich wichtig bin. Dieser Kampf hört nicht auf, vielleicht wird er nie aufhören." Ganz schön heftige Worte. Und doch beschreiben sie auf so direkte Weise den Geist unserer Zeit.

Durch Jesus befreit
Auch viele Christen kämpfen diesen Kampf, weil sie meinen, sie müssten Gott unablässig neu beweisen, dass sie wichtig, gut und liebenswert sind. Und auch ich hatte schon oft damit zu kämpfen. Doch wer das Evangelium zunehmend verinnerlicht, für den hört dieser Kampf auf. Wenn ich verstanden habe, dass ich trotz meiner Unperfektion, trotz dem Mist, den ich in meinem Leben schon gebaut habe, und trotz meiner Schuld ("Ich bin so sündhaft und schlecht, wie ich es nie für möglich gehalten hätte") bei Gott bedingungslos angenommen bin ("Ich bin durch angenommener und geliebter, als ich je zu hoffen gewagt hätte"), dann bekomme ich eine ganz neue Identität (2.Korinther 5,17; Römer 6,6). Dann weiß ich: Ich bin für Gott so wichtig und liebenswert, dass er seinen Sohn für mich gegeben hat (Johannes 3, 16). Ich bin ein unfassbar geliebtes Kind Gottes. Ich bin ein Königskind. Wenn ich Jesus mein Leben hinlege und ihm das Steure übergebe, wenn ich mich für ihn entscheide und an ihn glaube, dann gelten die Worte, die der Vater über Jesus sagt, auch für mich: "Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Freude." (Markus 1, 11) Ich muss mich nicht mehr über meine Leistungen definieren - weder vor Gott noch vor Menschen.
Wenn ich mit Jesus lebe, bin ich nicht mehr abhängig davon, ob andere meinen neuesten Insta-Post liken oder nicht. Denn der Schöpfer des Universums hat in Christus ein für alle Mal "ja" zu mir gesagt.
"Er hat Freude an mir - das kann mir nichts und niemand rauben (Römer 8, 34-39). Mein Wert durch Jesus definiert, der alles für mich gegeben hat um mich zu retten. Das befreit mich und gibt mir Sicherheit.

3. Mich fasziniert, dass das Evangelium die Kraft hat, mich tiefgreifend zu verändern
Vor einigen Jahren begann ich, das Veränderungspotential des Evangeliums auf einer tiefen Ebene zu begreifen.
Damals saß ein junger Mann auf der Bühne beim Zeugnisabend unserer Gemeinde. Aufgewachsen in einer christlichen Gemeinde erzählte er sichtlich bewegt seine Geschichte: Sein Vater war schwerer Alkoholiker. Er hatte die Familie im Stich gelassen, als der junge Mann noch ein kleines Kind gewesen war. Inzwischen - vom jahrzehntelangen Alkoholkonsum stark gezeichnet - war nicht abzusehen, wie lange der Vater noch leben würde. Der junge Mann bekannte in aller Offenheit: "All die Jahre habe ich meinen Vater zwar nicht gehasst, aber ich habe ihn voller Selbstgerechtigkeit verachtet und mich für ihn geschämt." Nur mühsam konnte er die Tränen unterdrücken. Seine Worte haben sich tief bei mir eingebrannt: "Die ganze Zeit wusste ich, dass Gott möchte, dass ich meinen Nächsten, ja sogar meine Feinde, liebe - also auch meinen Vater. Die Maßstäbe Gottes waren mir bekannt - aber ich konnte sie nicht leben." Erst in den zurückliegenden Monaten hatte er angefangen, das Evangelium tiefer zu verstehen und die Gnade Gottes wirklich zu erfassen. Und das veränderte sein Herz. Schließlich sagte er mit gebrochener Stimme: "Ich bin vor Gott zusammengebrochen und habe zu ihm gesagt: Wenn du, Herr, trotz meiner Fehler so gnädig zu mir bist, wie kann ich dann nicht gnädig mit meinem Vater umgehen? Wenn du mir vergibst, wie kann ich ihm dann nicht vergeben? Ich weiß nicht, wie viel Zeit wir noch haben - aber ich will meinem Vater von jetzt an ein liebevoller Sohn sein."

Changing grace
Ich wurde Zeuge der verändernden Kraft der Gnade (vgl. Titus 2,11-12; 1.Petrus 1,13-15). Es war einer der prägendsten Momente meines bisherigen Lebens ein mega Boost für meinen Glauben.
Wer die Tiefe seiner eigenen Fehler erkennt und auf diesem Hintergrund den unerschöpflichen Reichtum der Gnade immer wieder erstrahlen sieht, der wird kaum unverändert bleiben können. Wer das Evangelium in seiner ganzen Schönheit (neu) entdeckt, der wird kaum unbewegt bleiben können. Denn diese Botschaft bewirkt etwas in uns. Und wenn wir sie für uns annehmen, macht sie uns zu einem neuen Menschen. Einem, der mit Jesus unterwegs ist, der die Kraft und die Liebe Gottes in sich trägt und der mit dem Tod nicht vergeht, sondern der durch Gott ewig lebt.
"Ich bin durch Jesus angenommener und geliebter, als ich je zu hoffen gewagt hätte."
Je mehr ich erfasst bin von diesem Evangelium, desto mehr wird mein Herz (und damit mein Charakter) im Sinne Gottes geformt. Das macht mich demütig und motiviert mich. Und so haben sich mir die Erfahrungen des berühmten Predigers Charles Spurgeon tief eingebrannt: "Wenn ich das Gefühl hatte, Gott und sein Gesetz seien hart, da fand ich es einfach zu sündigen, aber wenn ich vor Augen hatte, wie freundlich, gütig und überfließend barmherzig Gott ist, da schlug ich mir an die Brust und dachte: Wie konnte ich nur jemals gegen den rebellieren, der mich so sehr geliebt hat und mein Bestes will?"

Mal angenommen du lässt dich neu von der Schönheit des Evangeliums blenden, mal angenommen, die Faszination dieser Guten Nachricht zieht dich neu in ihren Bann. Mal angenommen, wir könnten nicht mehr genug bekommen von Gott, mal angenommen, sein Feuer würde ganz neu brennen in uns. Das könnte ganz schön was auslösen. Dann wäre das eine enorme Motivation, diese Botschaft mit anderen zu teilen. Nur mal angenommen...

Be blessed
Manuel




Bildquelle: https://lviewer.com/youversion/

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