Ein Plädoyer für Einheit

Lesedauer: 6min

Ein Blick über den Tellerrand der Gemeindelandschaft

Gemeinden sind verschieden. Gut so! Wie sonst könnte jeder das geistliche Zuhause finden, in dem er sich wohlfühlt? Und doch streiten sich so oft christliche Gemeinden und Gruppierungen um gewisse Ansichten und Standpunkte - aber wozu? Ein Plädoyer für Einheit. Und für Gottes geniale Idee von Gemeinde.

Hey du,
ich kenne alle möglichen Leute, die so vielen verschiedenen Gemeinden angehören: Protestanten, Katholiken, Freikirchler, Evangelisch-Methodistische, Landeskirchliche Gemeinschaft, Baptisten...
Christlich ist scheinbar noch lange nicht christlich. Die einen stehen im Gottesdienst beim Singen auf die anderen bleiben sitzen. Bei den einen finden die "Gottesdienste" morgens statt, die anderen feiern abends gemeinsam "Celebrations". Orgel oder Band, modernste Technik verwendete oder nur nen ollen Overheadprojektor, Kirchenbänke oder Kinosessel...
Unsere Gemeinden stecken voller Unterschiede. Aber die Gemeinsamkeiten? Wo ist der rote Faden? Was war es nochmal, das uns alle verbindet? Oder war das nicht ein wer?
Denn sind wir nicht eigentlich zur Einheit berufen? Eine Gemeine Gottes, Menschen die gemeinsam Jesus nachfolgen und ihm die Ehre geben wollen.
Jesus hat gesagt: "An der Liebe untereinander wird jeder erkennen, dass ihr meine Jünger seid." (Johannes 13,35). Aber wenn ich mich in unseren Gemeinden heutzutage umblicke steht da vielmehr: "An der Uneinigkeit untereinander und daran, wie ihr euch Bibelverse um die Ohren haut und euch vorführt wird jeder erkennen, dass ihr zu meiner Kirche gehört." Verstehst du, was ich meine?

Gemeindevielfalt die staunen lässt
"So wie unser Körper aus vielen Gliedern besteht und diese Glieder einen Körper bilden, so ist es auch bei Christus: Sein Körper, die Gemeinde, besteht aus vielen Gliedern und ist doch ein einziger Körper." (1. Korinther 12,12).
Wenn man meine Herzenshaltung befragt, die ich bei Besuchen in anderen Gemeinden habe, dann klingt das eher nach: "Seid ihr ruhig mal schon ein Leib, aber wir alle wissen, mein Teil ist richtiger, wichtiger, bibeltreuer und gastfreundlicher als eurer!" In anderen Kirchen und Gemeinden sehe ich vor allem erst einmal, was meine Kirche besser hat/kann/tut/singt/predigt. Ob bei Liberalen, Landeskirchen, Hände-Hebern oder Fahnenschwenkern - mein Rebellenherz findet schnell etwas, dass "ich jetzt aber ganz anders in meiner Bibel lese und verstehe".
Aber ist es das, was die Bibel zu diesem Thema sagt? Ist es das, was sich Jesus wünscht? Hm. Wenn ich die Bibel lese und mir das, was ich dort finde, so wirklich zu Herzen nehme, dann ist die Antwort klar: Nein.

We are should be one
Gott wünscht sich einen Leib. Eine Gemeinde. Bestehend aus Menschen, die verstanden haben, dass es kein Kampf ist, wer den schärferen Beamer, die höchste Besucherzahl oder deluxere Siebdruck-Kaffeemaschine mit eigenem Kakao-Gemeindelogo auf dem Milchschaum hat, sondern ein gemeinsamer Auftrag, eine Reise, mit dem Blick auf Jesus, der vorangeht. Und Brüdern und Schwestern, links und rechts, die das gesamte Gemeindespektrum abdecken und für all diejenigen kämpfen, die noch nicht verstanden haben, wie unfassbar lebens- und ewigkeitsverändernd das Leben mit Jesus ist. Denn Gemeinde und Kirche ist nicht der Ort, der mir und meinem Wohlbefinden dienen soll, sondern der Ort, wo ich dienen darf! Wo ich Gott die Ehre geben und lernen kann, was es heißt, Jesus wirklich nachzufolgen. Ihm ähnlicher zu werden. Egal, in welcher Form eine Gemeinde das dann zum Ausdruck bringt.

Gemeindevielfalt und Döneressen
Das ist es doch, worum es geht. Das ist es, worum Jesus seinen und unseren Vater gebeten hat: "Die Herrlichkeit, die du mir gegeben hast, habe ich nun auch ihnen gegeben, damit sie eins sind, so wie wir eins sind. Ich in ihnen und du in mir - so sollen sie zur völligen Einheit gelangen, damit die Welt erkennt, dass du mich gesandt hast und dass sie von dir geliebt sind, wie ich von dir geliebt bin." (Johannes 17, 22-23)
Krass. Einheit. In der jeder ein Zuhause findet. Einheit, damit die Welt erkennt, dass Jesus wirklich von Gott gesandt wurde. Einheit, damit andere sehen, dass wir von Gott geliebt sind. Einheit, in der jeder Gott so anbeten darf, wie er sich wohl fühlt. Einheit, die auf der Bibel gegründet die gesamte Welt verändert. Einheit, die liebt, vergibt und Unterschiede toleriert, wenn es doch im Kern um das Evangelium geht. Alles andere ist doch wie die Frage im Dönerladen "mit oder ohne Scharf" - Geschmacksache!

Heavenly family
Fakt ist: Jede Gemeinde und Kirche lebt von den Menschen, die sie mitgestalten und besuchen. Gott ist bei allen Formen dabei und freut sich unglaublich, wenn wir zusammenkommen um ihn anzubeten und zu loben. Er sieht das Ringen der Leiter nach der Wahrheit und segnet jedes ehrliche Bemühen um Nachfolge. Und das ist eben mal laut und mal eher still. Mal begleitet von Orgel, mal von einer Band. Mal wird Gott im Stehen gepriesen, mal im Knien. Und ich bin fest davon überzeugt, dass wir von jeder Gemeindeform etwas lernen können - wenn wir den Mut dazu haben, andere Frömmigkeitsstile, andere Gottesdiensformen und auf andere Christen zuzugehen und sie besser kennenlernen.  
Jesus sagte, dass er auf der Erde eine Gemeinde bauen wird, die stark genug ist den Kampf gegen das Böse und die Ungerechtigkeit in der Welt aufzunehmen. Wenn das stimmt, dann müssen wir lernen, was es heißt, der Körper von Jesus zu sein. Dann müssen wir lernen, eine Einheit zu werden. Eine Gemeinschaft von Menschen, die Jesus nachfolgen und mit ihm die Welt verändern wollen. Bist du bereit für dieses Abenteuer?

Ein Plädoyer für Einheit - Poetry Slam (by Marco Michalzik)

Wenn du jemanden triffst, ihn kennenlernst, mit ihm sprichst, und klar ist, dass er wie du auch Christ ist, ist die Frage, die folgt oft offensichtlich. Eine Frage, die eigentlich harmlos und schlicht ist. Doch mir wird immer mehr klar, dass sie das nicht ist. Du gehörst zu Jesus? Okay. Bist so mit ihm unterwegs, schön und gut, doch ich würd auch gern wissen in welche Gemeinde oder Kirche du gehst...
Und nicht, dass du mich falsch verstehst, ich hab nichts gegen diese Frage per se, nur gegen das, was leider oft dahinter steht. Jesus sprach ständig von seiner Kirche, seinem Leib, seiner Gemeinde und meinte damit nicht viele, sondern eine! Ich hab noch mal nachgeschaut. Jesus redet sogar von Kirche als seine Braut, doch diese makellose, perfekte, einzigartige Braut sieht auf den ersten Blick eher wie ein Harem aus. Von außen betrachtet gespalten, getrennt, Einheit betont, die doch niemand erkennt. Der Gott der Liebe, zu dem man sich bekennt, wird so oft nicht sichtbar und auch falsch dargestellt.

Geschaffen als eins und doch entzwei
An der Liebe, die wir zueinander haben, sollen die Menschen erkennen, dass wir zu Gott gehören und ihn dafür preisen. Doch wie sollen sie ihn preisen, wenn wir selbst gar nicht eins sind, uns ignorieren oder vielleicht sogar streiten. Misstrauen, Stolz und Verletzung  - Puzzlestücke des Feindbilds. Etikettiert mit 'nem Label, das ich eigentlich nicht sein will. Oder wie ist das bisweilen in den Gemeinden, wenn sich Dinge verkeilen und Sand im Getriebe zu sein scheint. Man könnte es manchmal meinen, aber Gemeinde kommt nicht von gemein sein, sondern gemeinsamer Gemeinschaft, die vereint schafft, was nicht allein klappt. Begleiten einander auf dieser Reise zur himmlischen Heimat. Und jetzt bist du hier und singst mit geschlossenen Augen und erhobenen Händen, wie sehr du Gott liebst aber zwei Reihen hinter dir steht jemand, dem du nicht vergibst. Nicht vergeben willst, denn Vergebung hat diese Person nicht verdient! Wie kannst du sagen, dass du Gott liebst, den du nicht siehst, und dabei deinen Bruder verachten, der direkt vor dir steht. Und ich find's unbequem das anzusehen, diese Fragen anzugehen, will schon fast das Handtuch nehmen, Handtuch werfen, weil mein erhobener Zeigefinger dabei zuallererst auf mich zeigt.

Meine Vision ist Einheit
Meine Vision ist Einheit. Gemeinschaft, die sich nicht zweiteilt. Unterschiedlich in Freiheit, doch vereint in dein Glauben an den Gott, der uns frei macht. Da ist eine Gemeinde und da ist eine zweite, wollen beide Menschen erreichen, Hoffnung verbreiten, doch können sich nicht leiden, sich nicht gegenseitig Hände reichen, weil die einen Hände heben und die anderen Hände falten beim Beten. Können sich nicht leiden, und ich frag mal bescheiden, von wem lässt du dich leiten? Sicher nicht von seinem - Geist. Denn Jesus hat gebetet, dass sie alle eins seien. Befreit, dass wir frei sind, nicht damit wir uns streiten, seine Kinder beleidigen und unser Bestes tun, seinen Leib zu zerschneiden obwohl er gebrochen wurde, um Wunden zu heilen. Und das heißt nicht Einheit um jeden Preis, sondern "Te Telestai": Der Preis ist bezahlt, um uns befreien und zu vereinen. Und dabei geht's weder um Theorie noch um Diskussionen über Theologie, sondern schlicht um die Wahrheit, und zwar die, dass Jesus mich bedingungslos liebt. Der Verbrecher neben Jesus hat nicht erst studiert, er tat nichts, außer dass er vertraute und rief und war noch am selben Tag mit Jesus im Paradies. Gnade heißt, ich bin zutiefst geliebt, doch hab diese Liebe gar nicht verdient.

Ich träume von Gemeinde
Ich träume von einer Generation, die sich aufmacht, aufwacht, die Augen aufmacht und sieht, wie Gott sie entfacht als Lichter der Hoffnung, inmitten der Nacht, unübersehbar wie diese Stadt - auf dem Berg, die eben auch jeder bemerkt. Ich träume von einer Generation, die von Jesus bewegt, nicht nur redet, sondern aufsteht und, was sie behauptet, auch lebt. Wenn ich nicht seh, was du glaubst, glaub ich nicht, du glaubst überhaupt. So oder so ähnlich hat's Jakobus rausgehauen. Und ich will sein - wie Elia, der trotz blaustem Himmel und sengendster Hitze, das Geräusch von heftigem Regen hört. Seinen Diener sechsmal zum Ausschauhalten nach Wolken auf den Berggipfel geschickt - und jedes Mal nur ein "Nein, da ist nichts" gekriegt! Und es trotzdem ein siebtes Mal zu versucht. Und diese Miniwolke in ihm Hoffnung entfacht, denn er hat gedacht, dass Gott Großes aus kleinen Dingen macht.

Be blessed
Manuel


Poetry: Marco Michalzik
Bildquelle: https://tofo.me/youversion

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