Fernweh (TDW 25/2018)

Lesedauer: 8min

Was braucht man eigentlich um glücklich zu sein?

Jeder hat so seine ganz eigene Vorstellung von Glück. Der eine denkt dabei an Gesundheit, der andere an Erfolg und Liebe. Aber sind wir dadurch zufrieden? Eher nicht. Und so suchen wir immer weiter. Aber wonach eigentlich?
Lies bitte zuerst: Lukas 15, 11-32

Hey du,
was treibt Menschen auf den Mount Everest? Wozu riskieren Milliardäre ihr Leben und umrunden die Erde mit den ungewöhnlichsten Fortbewegungsmitteln? Bestimmt nicht nur, um coole Selfies in Serie posten zu können...
Der Mensch hat Hunger. Hunger nach Leben. Nach dem gewissen Etwas. Die Toten Hosen können wortwörtlich ein Lied davon singen. Sie zählen mit mehr als 14 Millionen verkaufter Platten zu den erfolgreichsten deutschen Bands. Auf dem Höhepunkt ihrer Karriere veröffentlichten die Jungs dieses Lied: "Was für 'ne blöde Frage, ob das wirklich nötig ist. Ich habe halt zwei Autos, weil mir eins zu wenig ist. Sie passen beide in meine Garage, für mich ist das Grund genug. Was soll ich sonst in diese Garage neben meiner Riesen-Villa tun? Die Geräte für den Swimmingpool liegen schon im Gartenhaus, und die Spielzeugeisenbahn ist im Keller aufgebaut. Jeden Sonntag zähle ich mein Geld, und es tut mir wirklich gut, zu wissen, wie viel ich wert bin, und ich bin grad hoch im Kurs. Ich hatte mehr Glück als die meisten, habe immer fett gelebt. Und wenn ich wirklich etwas wollte, hab ich's auch gekriegt! Warum werde ich nicht satt? Warum werde ich nicht satt? Warum werde ich nicht satt?"

Wahres Glück?
Was braucht man eigentlich, um glücklich zu sein? Wir leben in einer der reichsten Generationen aller Zeiten. Überleg mal, was wir alles haben: schicke Klamotten, schnelle Smartphones, riesige Flat-Screens... Und das ist nur ein Bruchteil vom Angebot. Eigentlich müsste es uns doch ziemlich gut gehen - bei alldem, was wir haben. Aber offensichtlich geht es uns gar nicht besser, nur weil wir viel besitzen. Wir haben Hunger nach Leben. Immernoch. Trotzdem. Oder deswegen? Warum können wir unsere Sehnsucht nicht stillen? Vielleicht liegt es daran, dass wir uns zwar Bücher kaufen können, aber kein Wissen. Wir können uns Medikamente kaufen, aber keine Gesundheit. Wir können uns Sex kaufen, aber keine Beziehung. Mit Geld kann man viel erreichen! Aber das, was wirklich dauerhaft glücklich macht, offensichtlich nicht. Was sind denn dann die Voraussetzungen für ein erfülltes Leben? Gesundheit? Erfolg? Liebe? Frei nach dem Motto: "Wenn ich doch gesund wäre..." "Wenn mich die anderen nur bewundern würden..." "Wenn ich endlich den richtigen Partner hätte..." Es ist komisch: Viele Menschen sind kerngesund und trotzdem unglücklich. Viele Stars sind mega berühmt und dennoch unzufrieden. Und dass so viele Ehen geschieden werden, zeigt doch, dass Beziehungen allein auch nicht glücklich machen. Gesundheit, Erfolg, Liebe - alles das ist zwar toll, füllt aber auf Dauer scheinbar nicht aus. Robyn Rihanna Fenty ist eine der populärsten und einflussreichsten jungen Künstlerinnen. Über zu wenig Anerkennung dürfte sie sich nicht beklagen: Über 120 Mal wurde die Sängerin ausgezeichnet. "Also, wenn ich das alles hätte, was die hat dann wäre ich bestimmt glücklich." - so könnte man denken. Wer hätte schon etwas dagegen, auf einer paradiesischen Insel zu wohnen, die Trendsetter zu sein, und von unzähligen Fans vergöttert zu werden? Deshalb überraschen Rihannas Worte umso mehr, wenn sie sagt: "Ruhm macht einsam... Leute vergessen, dass der Erfolg ein großer Aspekt deines Lebens ist, aber dahinter gibt es Probleme, es gibt dunkle Seiten, es gibt Einsamkeit und Unglück." Macht sie irgendetwas falsch? Oder ist das Lebensglück so eben doch nicht zu finden?

Gans weit weg

Andere Story. Wusstest du, dass Mastgänse einmal im Jahr ganz plötzlich unruhig werden? Sie laufen dann wild durch die Gegend und schlagen mit den Flügeln. Aber nicht etwa, weil St. Martin oder Weihnachten vor der Tür stehen, sondern weil Wildgänse über ihre Köpfe Richtung Süden fliegen. Dann kommt in den Mastgänsen ein Gespür für Weite auf. Und das, obwohl sie ihr Gehege noch nie verlassen haben. Außerdem sind sie wohlbehütet und bekommen mehr als genug zu fressen. Eigentlich müssten sie doch glücklich sein. Trotzdem scheinen sie mit ihrem Schicksal als Mastgänse plötzlich nicht mehr zufrieden zu sein. Für ein paar Minuten macht sich ein unerklärliches Fernweh in ihnen breit. Ein unerklärliches Fernweh - kennst du so etwas? Kommt dir dein Alltag manchmal irgendwie platt und banal vor? Nichts scheint dich dann so richtig glücklich zu machen? Und du denkst, es müsste doch mehr geben - vielleicht irgendwo am Ende der Welt!? Die Mastgänse ahnen offensichtlich, dass es mehr geben muss als ihr mit Maschendraht umzäuntes Gehege. Sie sehen sich nach der Ferne, nach Freiheit. Könnte deine Sehnsucht nicht auch so eine Ahnung sein? Der Physiker und Mathematiker Blaise Pascal hat behauptet: "Im Herzen eines jeden Menschen befindet sich ein Vakuum, das durch nichts erfüllt werden kann als allein durch Gott." Wäre es nicht möglich, dass Gott die Weite ist, von der du hin und wieder träumst? Was wäre, wenn er das Glück ist, das du dir wünschst? Wenn du deshalb anderswo nicht wirklich fündig wirst?

Reiselust 
Das Fernweh ist laut Duden eine "Sehnsucht nach der Ferne". Die Sehnsucht nach Abenteuer, nach der Reise aber genauso auch nach dem Ziel und nach Ankommen. Wer will schon ziellos vor sich hinleben? Also steckt man sich Ziele, hat bestimmte Ideen für sein Leben. Das Problem ist nur: Irgendwann stellt man fest, dass alles zwar ganz nett ist aber auf Dauer macht es nicht zufrieden. Und schon sucht man wieder neue Herausforderungen, steckt sich neue Ziele, sammelt neue Ideen und Wünsche. Aber auch die sind irgendwann von gestern. Hat die Suche jemals ein Ende? Wozu lebt man? Um zu lernen!? Wozu lernt man? Um zu arbeiten!? Wozu arbeitet man? Um in Rente zu gehen!? Was ist der Sinn des Ganzen? Wenn es nur diese Ziele geben würde, dann wäre die Frage nach dem Sinn völlig absurd. Dann wäre man nur dazu da, um eines Tages zu sterben. Aber das kann es doch nicht sein. Obwohl der Philosoph Bertrand Russell bekennender Atheist war, gab er zu:
"Solange man nicht annimmt, dass es Gott gibt, bleibt die Frage nach dem Ziel im Leben sinnlos."

Wenn es darum geht, sein Leben zu planen und den Sinn zu finden - welche Rolle könnte Gott dabei spielen?

Sinn und Ziel - und Gott
"Junge mit Pfeife" heißt ein Bild von Picasso. Es wurde im Jahr 2004 für 85.7 Millionen Euro verkauft. Das, was seinen Wert ausmacht, sind sicher nicht Farbe und Leinwand. Die sind alt und verbraucht. Aber weshalb ist dieses Bild so wertvoll? Wegen des Künstlers. Würde die Signatur "Picasso" fehlen, hätte niemand auch nur einen Bruchteil dafür bezahlt. Auch du bist unsagbar wertvoll - und zwar für Gott. Nicht wegen dem, was du gemacht hast, sondern wegen dem, der dich gemacht hat. Du bist ein Geschöpf Gottes. Du bist eine Spezialanfertigung. Gott möchte eine Beziehung zu dir. Deshalb hat er dich geschaffen. "Gott schuf den Menschen in seinem Bild...", steht am Anfang der Bibel (1. Mose 1,27). Stell dir vor: Gott hat sich selbst als Vorlage genommen. Du ähnelst ihm, damit ihr in Kontakt kommen könnt. Du bist also ein Gegenüber für Gott. Er liebt dich unabhängig von deiner Leistung, deinem Konto, deinen Beziehungen. Gott liebt dich, so wie du bist. Und er hat dich mit Absicht geschaffen. Du bist kein Zufall. Dein Leben hat einen Sinn und ein Ziel. Die Verbindung mit Gott. Eine Beziehung, die für die Ewigkeit hält. In der Bibel steht: "Denn in Christus hat er uns schon vor der Erschaffung der Welt erwählt mit dem Ziel, dass wir ein geheiligtes und untadeliges Leben führen, ein Leben in seiner Gegenwart und erfüllt von seiner Liebe. Von allem Anfang an hat er uns dazu bestimmt, durch Jesus Christus seine Söhne und Töchter zu werden. Das war sein Plan: So hatte er es beschlossen" (Epheser.1,4-5).
Gott kennt deine tiefsten Bedürfnisse. Er möchte sie stillen und für dich sorgen, weil er dich liebt. Wer mit Gott verbunden ist, kann alles gelassener angehen. Er weiß: Gott hat einen Plan für mein Leben. Und dieser Plan ist perfekt. Denn Gott meint es bedingungslos gut mit dir.

Der Wunsch nach mehr 
In der Bibel gibt es eine Geschichte, in der es um genau diese Sehnsucht nach einem sinnerfüllten Leben geht. Diese Geschichte hat Jesus den Menschen vor 2000 Jahren erzählt. Und nun erzählt die Bibel sie uns (Lukas 15, ab Vers 11). Es geht um einen jungen Mann. Um Sehnsucht und Rebellion. Um Fehlschläge und Angenommen sein. Dieser junge Mann hatte gute Voraussetzungen für ein glückliches Leben. Er kam aus einer wohlhabenden Familie mit Grundbesitz und Angestellten. Seine Familie war auch in Ordnung. Der Vater ließ ihm alle Freiheiten, auch wenn er selbst dabei verzichten musste. Den Sohn interessierte das aber nicht. Obwohl es ihm gut ging und er alles hatte, glaubte er trotzdem, etwas zu verpassen. Sein Herz rebellierte. Er hatte dieses Farmerleben satt. Deshalb wollte er weg - raus in die Freiheit. Genießen, was das Leben zu bieten hatte. In der Ferne hoffte er, seine Sehnsucht stillen zu können. Doch zuerst einmal brauchte er Geld. Und so bat er seinen Vater um sein Erbe. Ja echt jetzt! Für so eine bodenlose Frechheit würden Väter ihre Söhne normalerweise enterben. Doch dieser Vater reagierte ganz anders: Kein Tobsuchtsanfall, keine Herzattacke. Nein, er übertrug seinen Söhnen einfach seinen ganzen Besitz. Dabei war von ihm nichts zu hören. Keine Bedingung, kein Vorwurf, keine Szene. Er gab einfach. Und der Sohn? Der sagte auch nichts - er nahm einfach.

Der Weg ins Elend
Es dauerte nicht lange, da hatte der jüngere Sohn seine Erbschaft flüssiggemacht. Mit einem dicken Portemonnaie und noch dickerem Konto machte er den Abflug. Kein Wort an seinen Vater. Der war für ihn gestorben. Aber der Sohn war für den Vater nicht gestorben. Er hielt seinen Sohn nur deshalb nicht zurück, weil er seine Entscheidung respektierte - selbst, wenn sie nicht sehr klug war. Und der Sohn? Der feierte in der Ferne bis zum Abwinken. Endlich frei sein. Endlich Spaß haben. Er wollte nur noch genießen. Er dachte nicht mehr an die anderen, nicht an seinen Vater, nicht an die Zukunft. Er hatte es geschafft. Alles war perfekt. Scheinbar. Denn sein Lebensstil brachte ihn um sein Vermögen. Dazu kam eine landesweite Wirtschaftskrise. Plötzlich ging es steil bergab. Wovon sollte er jetzt leben? Wirkliche Freunde hatte er nicht. Er hatte die anderen nur ausgenutzt und die anderen ihn. Also wurde er abhängig. Von Menschen. Ein Bauer beutete ihn aus und gab ihm Arbeit als Schweinehüter. Im Magen ein Loch. Im Kopf ein Fragezeichen. Ihm fiel auf, dass es sogar den Schweinen besser ging als ihm. Sie hatten wenigstens genug zu fressen. Er war alles andere als glücklich. Niemand hielt zu ihm. Er hatte seinen Vater verlassen, weil er Freiheit, Glück und Spaß wollte. Und wo war er gelandet? Im Elend.

Der Weg zum großen Glück?
Erst die Notlage zwang ihn zum Nachdenken - über sein Leben, seine Ziele und das, was passiert war. Er erkannte, dass er es ganz schön verbockt hatte und dass er seinen Vater verletzt hatte. Immerhin hatte er ihn ausgenutzt und quasi für tot erklärt. Und er wusste, dass er sich damit auch gegen Gott, schuldig gemacht hatte. Er übernahm die volle Verantwortung für sein Handeln. Keine Ausflüchte. Keine Schuldverschiebung.
Dann dachte er daran, wie gut es ihm bei seinem Vater gegangen war. Klar, er würde nicht mehr der stolze "Mr. Wichtig" sein. Aber sogar als Stall-Ausmister würde es ihm zu Hause besser gehen als hier. Und so fasste er einen Entschluss der sein ganzes leben verändern würde. Der Entschluss, zurückzukehren. Das fiel ihm bestimmt nicht leicht. Schließlich hatte er ganz groß rauskommen wollen. Doch jetzt sah er aus wie ein dreckiger Schweinehirte. Aber weißt du was, als er auf sein altes Zuhause zuging erkannte ihn sein Vater schon von Weitem. Er musste die ganze Zeit auf ihn gewartet haben. Sofort rannte er auf seinen Sohn zu, umarmte und küsste ihn. Der junge Mann konnte seine Rede gar nicht beenden, da drückte ihn der Vater schon an sich und rief mit Tränen in den Augen: "Mein Sohn war verloren, und nun ist er wiedergefunden!" Kein Vorwurf. Kein Verhör. Keine bissige Bemerkung. Ist das nicht ein außergewöhnlicher Vater?

Wegbeschreibung
Wie war das denn? Als der Sohn noch zu Hause lebte, hatte er alles. Trotzdem wollte er sein Glück in der Ferne suchen. Da ist sein Leben sprichwörtlich vor die Säue gegangen. Und erst dann begriff er, wie sehr ihn sein Vater liebte. Und dass er nur zu Hause wirklich glücklich sein konnte. Das musste erst einmal gefeiert werden. Es gab ein tolles Fest mit leckerem Essen und den besten Klamotten. Eigentlich alles das, womit der Sohn bis vor Kurzem noch versucht hatte, seine Sehnsucht zu stillen. Aber jetzt war das nur noch Nebensache. Endlich war er am Ziel. Endlich war er wirklich glücklich und zufrieden.
Jesus erzählt diese Geschichte als Gleichnis. Als Bild für Gott. Wie der Vater in der Geschichte, will Gott dein Bestes. Das erzwingt er nicht. Er lässt dich entscheiden: Du darfst ein Leben in seiner Nähe wählen oder vor ihm weglaufen. Aber er hat dich geschaffen um in Beziehung mit ihm zu leben. Er will deine Sehnsucht stillen und er will dir wahres Glück schenken. Er hat alles für dich gegeben, ist als Mensch in den Dreck der Welt gekommen und am Kreuz gestorben um uns den Weg zu ihm freizuräumen, den wir durch unsere Fehler verbaut haben. Und er gibt jeden Tag aufs Neue alles für dich, weil er dich über alles liebt.
Gott möchte dein Fernweh stillen. Dir das volle Leben schenken. Und er steht da, wie der Vater aus der Geschichte. Mit offenen Armen und voller Liebe wartet er darauf, dass du zu ihm kommst.
Echtes Glück, das Ziel unseres Fernwehs heißt, bei Gott anzukommen.

Be blessed
Manuel



Bildquelle: https://lviewer.com/youversion

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