Fight your fears (TDW 22/2018)

Lesedauer: 6min

Von der Angst davor, keine Angst mehr zu haben

Wir alle haben Angst vor etwas. Vor Zukunft, vor Krankheit oder Enttäuschung. Dabei könnten wir eigentlich so sorgenfrei durchs Leben gehen.
Lies bitte zuerst: Jesaja 41, 8-13

Hey du,
stellen wir uns eine junge Frau vor, nennen sie Vanessa, und fragen uns mal, was eigentlich ihr Problem ist: Sie ist fast 20, hat gerade angefangen Publizistik zu studieren, lebt in einer hübschen WG, ihre Eltern zahlen ihre Miete . Einen Nebenjob hat sie trotzdem, denn für den eigenen Lebensunterhalt will sie unbedingt selbst aufkommen. Auf ihrer letzten Geburtstagsparty waren fast fünfzig Gäste, natürlich auch ihre vier besten Freundinnen, denen sie alles anvertrauen kann.
Vanessa ist zwar keine Bombenschönheit, aber irgendwie schon recht ansehnlich und supernett, weshalb sie schon ein paar Dates mit wirklich interessanten Männern hatte, sich aber noch nicht so richtig entscheiden konnte, ob der richtige dabei war. Ach ja, einen deutschen Pass hat sie auch, wobei sie wahrscheinlich gar nicht im Blick hat, was das wirklich heißt. In ihrer hippen Gemeinde passt sie jeden zweiten Sonntag auf die Kleinkinder auf, weil sie so erzogen worden ist, dass Gott für seine Kinder sorgt und sie das auch wirklich glaubt und das irgendwie weitergeben will, auch wenn sie noch nicht so wirklich weiß, was das jetzt mit der Krabbelgruppe zu tun hat. Also, wo ist das Problem?

Angst - Ein unbewusster Dauerzustand
Vanessa hat kein Problem, sondern erlebt einen Dauerzustand, der uns ebenso unbewusst wie bekannt vorkommt: Angst. Und hier geht es jetzt nicht um Angst vor Monstern, Dunkelheit oder Spinnen, sondern um die Angst vor der Zukunft, vor Enttäuschungen, vor Krankheiten oder vor materiellen Verlusten. Jeder hat solche Ängste - und steht damit wirklich nicht alleine da.
Die Shell-Jugendstudie fragt unter anderem regelmäßig Angstthemen ab, und da kommt immer wieder das Gleiche raus: Jugendliche haben vor allem Angst vor einer schlechten Wirtschaftslage und der drohenden Armut und Arbeitslosigkeit, die damit verbunden ist. Fast drei Viertel der Befragten haben diese Themen ganz oben auf ihrer Liste angekreuzt. Über die Hälfte hat Angst vor Krankheit, immerhin fast 40 Prozent vor Angriffen auf die eigene Person. Ein Drittel fürchtet sich außerdem vor Diebstahl.
Aber auch die Erwachsenen haben ähnliche Ängste: Hier stehen steigende Lebenshaltungskosten an erster Stelle. Als Pflegefall zu enden oder als Rentner einen geringeren Lebensstandard zu haben, befürchtet immerhin noch die Hälfte. Außerdem prominent: Einsamkeit im Alter (fast ein Drittel) und das Zerbrechen von Partnerschaften (16 Prozent). Dazu kommen Naturkatastrophen, Kriege, Terrorismus - und, leider ja - Ausländer. Ein optimistischer Blick in die Zukunft sieht anders aus.

Angst vor dem Unkontrollierbaren
Man könnte diese Beispiele endlos weiter führen: Die Angst, einer Aufgabe nicht gerecht zu werden. Die Angst, am Ende des Lebens zurückzuschauen und zu denken: Ich hätte es anders machen müssen. Die Angst, in seinem Talent unerkannt geblieben zu sein. Aber auch etwas greifbarere Ängste machen uns zu schaffen: Die Angst vor schweren Krankheiten, die Angst, eine geliebte Person zu verlieren, oder ganz allgemein: Die Angst vor allem Unkontrollierbaren.
Grob lassen sich unsere Ängste, die zwar noch so persönlich und individuell sind, in drei Gruppen einteilen: Materielle Ängste wie zu wenig Geld auf dem Konto oder ein Diebstahl, zweitens die Angst um das eigene Wohl - körperlich um die eigene Gesundheit und seelisch um die Anerkennung anderer Menschen - und drittens die Angst vor einer ungewissen Zukunft und den damit verbundenen Entscheidungen, die auf uns warten.
Dabei sollte uns schnell auffallen, dass die meisten unserer Ängste auf gar keiner wirklichen Grundlage aufbauen: Wer von uns wurde tatsächlich schon einmal ausgeraubt? Wer hat auf einen Schlag schon einmal alles Hab und Gut verloren? Wie realistisch ist ein Terroranschlag? Was bringt es, sich über den Euro-Wert in sechzig Jahren zu sorgen?

Wie existentiell ist unsere Angst?
Unsere Ängste sind größtenteils First-World-Problems, also Probleme, mit denen sich ein Großteil der Menschheit überhaupt nicht herumschlagen muss, weil er ganz andere, existenziellere Ängste hat. Ängste, die wir gar nicht kennen, denn in Deutschland wartet nicht hinter jeder Straßenecke jemand mit einer Pistole, der Staat ist - zumindest im Vergleich - eigentlich auf unserer Seite, wir haben jeden Tag genug zu essen. Und selbst wenn uns all unser Eigentum gestohlen wird, haben wir es doch versichert. Wenn wir krank werden, werden wir versorgt, ohne dass wir den Arzt bestechen müssen.
Was ist schon unsere Angst davor, mit seiner Meinung doof dazustehen, während andere Menschen Angst haben müssen, gehängt zu werden, wenn sie ihre Meinung sagen?
Unserem Land geht es so gut, uns selbst geht es so gut. Wir haben alle Möglichkeiten, uns selbst zu verwirklichen. Unicef veröffentlicht regelmäßig Berichte zur Lage der Kinder und Jugendlichen im internationalen Vergleich, zum Beispiel die Ausgangslagen und Zukunftschancen junger Menschen auf dem Arbeitsmarkt. Deutschland steht ziemlich weit oben - die Angst vor Arbeitslosigkeit hat trotzdem jeder vierte Jugendliche. Zum Vergleich: Die USA stehen im Vergleich von 21 untersuchten Industriestaaten am Tabellenende - doch dort hat nicht einmal jeder Zehnte eine so trübe Sicht auf seine Zukunft. Niemand sonst ist im Vergleich so ängstlich wie wir.
So oft dominiert die Gefahr des Scheiterns unser Denken. In den USA hingegen gehört ein gesunder Optimismus zur Kultur.

Es könnte immer besser sein
Unsere Ängste bauen fast alle auf zwei Ursachen auf: Erstens sind wir unzufrieden mit unserem im Weltmaßstab elitär hohen Lebensstandard oder vertrauen nicht darauf, dass er anhält. Wir können uns nicht vorstellen, dass wir tatsächlich glücklich sein können, weil es kein Glück ohne Haken gibt. Es kann immer besser gehen, es muss immer besser gehen. Wir sind durch unsere Erziehung oder sogar durch die Geschichte unseres Landes darauf getrimmt, es bloß richtig zu machen. Alle Möglichkeiten auszuschöpfen und nichts zu verpassen.
Zweitens sind die Ängste Früchte der Möglichkeiten, die wir haben. Wir haben nur Angst davor, den falschen Partner zu wählen, weil wir uns unseren Partner aussuchen können. Wir haben Angst vor einem falschen Studiengang, weil wir uns unseren Studiengang aussuchen können. Wir haben Angst, etwas zu verlieren, weil wir so viel haben. Wir haben Angst vor der Zukunft, weil wir sie gestalten können.
Nur weil es uns so gut geht, haben wir Angst.
Bündeln wir all unsere Ängste, geht es immer um Kontrolle. Es könnte eben doch das Unplanbare geschehen, das Leben aus unserer Hand gleiten. Wir können nicht kontrollieren, ob unsere Entscheidungen uns letztendlich glücklich machen oder unsere Pläne aufgehen. Die größte Freiheit, die wir in diesem Land "genießen" - die Selbstbestimmung -, erzeugt bei uns die größten Ängste. Wir könnten uns ja falsch selbstbestimmen. Der wirkliche Großteil der Weltbevölkerung kann darüber nur lachen und verständnislos den Kopf schütteln - wenn überhaupt.

Angst vor dem Kontrollverlust
Da war noch etwas, was wir mit Vanessa gemeinsam haben. Haben wir nicht gelernt, dass es einen Vater gibt, der sich nicht den unkontrollierbaren Schicksalsschlägen dieser Welt unterordnet sondern stattdessen die Welt regiert? Der für jeden einzelnen von uns sorgt? Haben wir nicht alle schonmal die Geschichte von den Vögeln gehört, die nicht säen und ernten und trotzdem versorgt werden?
Wir haben Angst, die Kontrolle über unser Leben zu verlieren - dabei wissen wir doch, dass uns erst dieser Kontrollverlust Gottes Sicherheit spüren lassen würde. 
Wir könnten unser Leben in seine Hände geben, alle Kontrolle abgeben. Aber obwohl wir wissen, dass das uns von allen Ängste befreien würde, haben wir die größte Angst vor eben genau dieser totalen Kontrollabgabe.
Wenn wir schon nicht begreifen können, wie gut es uns im Vergleich mit anderen geht, wie unbegründet unsere Ängste teilweise sind, und stattdessen trotzdem Sorgen-Weltmeister bleiben: Wie viel schwerer fällt uns dann der Glaube und das Vertrauen in ein noch viel besseres Leben, das wir haben könnten?
Ist es das, wovor wir uns fürchten?

Be blessed
Manuel

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Vier Steps gegen deine Angst
#1 Erinnere dich an die Wahrheit, die Gott dir zuspricht und daran, was er alles für dich tut. Er liebt dich so sehr, dass er dich sein Kind nennt! Er hat das Beste für dich im Sinn.
#2 Lerne die Wahrheit auswendig - präge dir bestimmte Bibelverse ein. Zum Beispiel Psalm 91, Vers 11: "Denn er befiehlt seinen Engeln dich zu beschützen, wo immer du gehst."
#3 Ruf dir diesen Vers immer wieder in Erinnerung, oder schreib ihn dir auf einen Zettel und leg ihn an eine Stelle, wo du ihn immer wieder siehst.  Erinnere dich daran, dass dein Leben in Gottes Hand liegt und dass sein Plan für dein Leben das Beste ist, was dir jemals passieren kann!
#4 Entschließe dich bewusst, deiner Angst keinen Raum in deinen Gedanken zu geben, sondern deine Sorgen und Ängste Gott anzuvertrauen. Es macht keinen Sinn sich zu sorgen, denn Sorgen ändern sowieso nichts. Bloß, weil du immer wieder darüber nachdenkst, wie du die Mathearbeit schaffen kannst, verbessert das ja nicht deine Note. Und wenn du darüber grübelst, was morgen alles passieren könnte, wenn du über die Straße läufst, macht das die Überquerung der Straße ja nicht sicherer.
Lass ein Leben nicht länger von Ängsten bestimmen! Lass dich nicht länger ausbremsen, sondern tauche Tag für Tag immer wieder neu in Gottes Liebe ein, und du wirst sehen, wie diese Liebe deine Angst vertreibt.



Bildquelle: https://twitter.com/search?q=youversion&src=typd

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