Ich glaub, ich hör nicht richtig (TDW 24/2018)

Lesedauer: 7min

Oder: Warum Glaube nicht gleich Glaube ist

Nein, dieser Text ist kein Katechismus, keine Liste von Behauptungen, die man zu glauben hat. Auch keine Sammlung von Redewendungen. Hier geht es um ein Wort: Glauben. Was meint die Bibel eigentlich, wenn sie über den Glauben spricht?
Lies bitte zuerst: Markus 2, 1-12
 
Hey du,
Dieter Bohlen hat mal gesagt: "Ich glaube, dass ich ziemlich lustig sein kann." Aber was heißt das denn? Glauben? Ist er nun lustig oder nicht? Dieses Wörtchen "glauben" gebrauchen wir bei allen möglichen Gelegenheiten - oft ohne uns über die wirkliche Bedeutung Gedanken zu machen. Wir sagen zum Beispiel: "Ich glaube, dass es morgen regnet." Glauben heißt in diesem Fall: nicht wissen. Es ist also lediglich eine Vermutung, frei nach dem Motto: Genaues weiß man nicht. "Ich glaube schon", sagen wir auch, wenn wir von einer Sache überzeugt sind, ohne sie beweisen zu können. Wer sagt: "Ich glaubte mich im Recht", der war fest überzeugt von etwas, was sich dann aber als falsch heraus stellte. Juristen reden von "Treu und Glauben", wenn jemand nach bestem Wissen und Gewissen gehandelt hat. Und wenn jemand total naiv an eine Sache herangeht, dann sagt man: "Der ist aber gutgläubig." Und um jemandem Mut zu machen, sagen wir manchmal: "Ich glaub an dich, du schaffst das schon."
Wir gebrauchen dieses eine kleine Wort in den verschiedenen Situationen ganz unterschiedlich. Ganz schön verwirrende Vielfältigkeit.

Glauben oder dran glauben müssen
"Wer's glaubt, wird selig", das sagt man eigentlich, wenn man etwas anzweifelt - im Sinne von: "Du kannst mir viel erzählen." Doch in Bezug auf Gott ist das nicht nur ein Spruch, sondern erfahrbare Realität. Das Glauben an Gott ist anders. "Als Jesus ihren festen Glauben sah, sagte er zu dem Gelähmten: "Mein Sohn, deine Sünden sind dir vergeben!" (Lukas 2, 5). Das klingt irgendwie nach mehr. Nach ganz schön Sprengkraft. Ich mein, ein Lahmer steht auf einmal auf! What?!
Glaube an Gott hat ganz schön Power. Und er hat die Kraft unser Leben komplett auf den Kopf zu stellen und zu verändern. Uns einen Neuanfang zu schenken, und zu helfen, unsere Kämpfe zu bestehen und unsere Mitmenschen bedingungslos zu lieben.
Aber Glaube ist eben nicht gleich Glaube. An einem Schlüsselbund befinden sich in der Regel mehrere Schlüssel. Alle sehen sich ziemlich ähnlich, doch nur mit einem kann man seine Wohnungstür öffnen. Aber was ist dann dieser eine Glaube, von dem Jesus hier spricht? Wie kann ich ihn leben? Bock auf Entdeckungsreise zu gehen? Na dann, let´s go!

Was Glaube NICHT bedeutet

Der Glaube, der in der Bibel beschrieben wird, ist kein reiner Sprung ins Ungewisse. Der christliche Glaube basiert auf Tatsachen. Als Jesus Christus auferstanden ist, haben ihn mehr als 500 Leute gesehen. Sogar heute noch feiern wir an Ostern seine Auferstehung. Beim Glauben geht es nicht um vage Vermutungen - viele wissenschaftliche Hinweise belegen die Glaubwürdigkeit der Bibel und sprechen somit für den christlichen Glauben. Glaube ist aber auch keine reine Kopfsache, bei der man nur einige Tatsachen wissen oder akzeptieren muss. Vielleicht wissen wir schon eine ganze Menge über Jesus Christus. Aber das ewige Leben bekommen wir deshalb nicht automatisch. Auch nicht dadurch, dass wir dem zustimmen, was wir über Jesus gehört haben. Etwas über Jesus Christus zu wissen, ist nicht das Gleiche, wie mit dem Herzen an ihn zu glauben. Keine Ahnung, wie viel du über deinen Lieblings-Star weißt. Aber mal angenommen, du würdest an seiner Haustür klingeln und fragen, ob du zu ihm dürftest. Sein Bodyguard würde wissen wollen, warum er dich reinlassen sollte. Daraufhin zählst du ganz viele Infos über dein Idol auf. Würde dich das weiterbringen? Wahrscheinlich nicht, denn Wissen allein reicht einfach nicht aus.
Glaube ist keine reine Gefühlssache. 
Ob wir jemandem vertrauen, bestimmen wir nicht nur aus dem Bauch heraus, sondern auch mit dem Kopf. Wir können uns also ganz bewusst dafür entscheiden, jemandem zu vertrauen - selbst wenn unsere Gefühle zunächst etwas Anderes sagen. Glaube ist kein Mittel zur spontanen Abhilfe. Viele bitten Gott um Hilfe, wenn sie zum Beispiel krank sind oder Geldprobleme haben. Wenn dann aber die Krise überwunden ist, wollen sie nichts mehr mit ihm zu tun haben. Bis zum nächsten Konflikt. Aber es reicht nicht, nur in Krisenzeiten nach Gott zu fragen. Das ist nicht der Glaube, der ausreicht, um ewiges Leben zu bekommen.
 
Vertrauen ist gut - und besser
Der Begriff "glauben" hängt mit dem Wort "geloben" zusammen; ähnlich der "Verlobung", bei der Liebende versprechen, einander treu zu sein. In einem Wörterbuch wird glauben so definiert: "Jemandem oder einer Sache vertrauen / sich auf jemanden oder auf etwas verlassen." Genau das ist mit dem Begriff "glauben" in der Bibel gemeint: eine Vertrauensbeziehung zu Gott, eine tiefe Verbundenheit mit ihm.
Mit Glauben ist nicht ein "könnte sein" gemeint.
Auch kein vorübergehendes Gefühl, sondern mehr: Das Vertrauen in Gott, in Jesus Christus. Jesus möchte, dass wir ihm nicht nur in bestimmten Situationen vertrauen, sondern voll und ganz. Glauben heißt, sich einzig und allein auf Jesus zu verlassen, sich von im abhängig zu machen und auf ihn zu hören.
 
Bin ich hier im Zirkus?!
Stell dir mal vor, du sitzt im Zirkus. Ja wirklich. Ein Seiltänzer tritt auf und verlangt nach einem Freiwilligen. Deiner "witzigen" Familie fällt nichts Besseres ein, als dich vorzuschlagen. Ehe du dich versiehst, stehst du auf einer 30 Meter hohen Plattform. Der Artist balanciert ohne jede Unsicherheit auf dem Seil und macht krasse Kunststücke. Sogar mit verbundenen Augen. Das Publikum ist restlos begeistert! Dann bekommt der Artist eine Schubkarre gereicht. Vom anderen Ende des Seils ruft er dir zu: "Glaubst du, dass ich diese Schubkarre sicher übers Seil bringen kann?" "Klar", brüllst du zurück. Dem Mann ist alles zuzutrauen. Locker schiebt er sie auf dich zu. Plötzlich sagt er laut: "Los, beweis mir dein Vertrauen und steig ein!"
Glauben ist mehr als eine Vermutung. Mehr als ein kurzes Stoßgebet. Mehr als ein Gottesdienstbesuch.
Glaube heißt also: Sein Leben Jesus anvertrauen. Sich wie es in einer tiefen Beziehung an ihn zu hängen. Wir müssen uns entscheiden, wem wir in unserem Leben vertrauen wollen. Wenn wir das verstanden haben, dann können wir Jesus einfach sagen, dass wir ihm vertrauen wollen. Voraussetzung ist natürlich, dass wir uns mit ihm beschäftigen und uns auf das verlassen, was Gott in der Bibel sagt. Er weiß nämlich am besten, was gut und richtig ist. Wenn wir in unserem Leben allein auf ihn bauen, erleben wir Geborgenheit - wie in einer engen, guten Freundschaft. Sicherheit gibt es nur, wenn man 100-prozentiges Vertrauen zueinander hat. Misstrauen und Skepsis dagegen zerstören jede Beziehung.

Vertrauen ist menschlich
Grundsätzlich glaubt bzw. vertraut jeder Mensch. Wir wachsen damit auf und vertrauen unseren Eltern, Lehrern, Ärzten - sogar unserer Bank oder der Versicherung. Vieles können wir nicht nachprüfen - also vertrauen wir. Wenn wir zum Beispiel in einen Bus einsteigen, kontrollieren wir vorher nicht den Führerschein des Busfahrers. Wir vergewissern uns auch nicht, ob die Bremsen funktionieren, oder? Mal darüber nachgedacht, wie gefährlich es im Gründe genommen ist, in einem Restaurant ein Schnitzel zu bestellen? Woher wissen wir, dass der Koch nicht aus Versehen giftige Pilze verwendet hat? Wir essen unser Schnitzel trotzdem, ohne es zu kontrollieren - weil wir uns einfach darauf verlassen, dass der Koch schon weiß, was er tut. Ist das nicht erstaunlich?
Ohne ein gewisses Vertrauen in Menschen wären wir überhaupt nicht in der Lage, unseren Alltag zu bewältigen. Wir sind dazu veranlagt zu glauben. Was wenn Gott sich das so ausgedacht und in uns hineingelegt hätte. Mal angenommen Gott hätte den Überblick. Er wäre wirklich allmächtig und meinte es gut mit dir. Würde dann nicht so viel dafür sprechen, ihm zu vertrauen?

Dachschaden durch Glauben 
In der Bibel gibt es viele Berichte von Menschen, die ihren Glauben unter Beweis gestellt haben. Diese Berichte zeigen sehr eindrücklich, wie Gott sich das mit dem Glauben gedacht hat. Eine dieser Geschichten steht im Markusevangelium Kapitel 2. Jesus war gerade in Kafarnaum unterwegs. Und wie das nun mal so ist, wenn man Gottes Sohn ist, waren ganz schön viele Menschen da, um ihm zuzuhören und ihn zu sehen. Niemand kam mehr durch. Plötzlich Geräusche auf dem Dach. Über Jesus begann der Putz von der Decke zu rieseln. Dann wurde eine Platte ausgehoben. Was war das? Alle schauten nach oben. Die nächste Ladung Lehm rieselte herab und ein blaues Stück Himmel war zu sehen. In dem Loch im Dach erschienen vier Gesichter. Im nächsten Moment wurde eine Matratze nach unten abgeseilt. Darauf lag ein Gelähmter, der plötzlich direkt vor Jesus landete. Im Text steht, dass Jesus ihren Glauben sah. Aber worin kam der Glaube dieser Leute zum Ausdruck.
Glaube ist ein Lifestyle.
Sie schleppten ihren Freund aus Liebe. Vielleicht hatten sie sich von der Arbeit frei nehmen müssen. Außerdem machten sie sich der Sachbeschädigung schuldig und mussten wahrscheinlich für die Reparatur aufkommen. Zusätzlich riskierten sie den Vorwurf des Dachschadens - also in diesem Fall, dass man sie für verrückt hielt. Doch das alles nahmen sie für ihren gelähmten Kumpel in Kauf. Ihr Glauben zeigte sich ganz praktisch durch ihre Taten. Ihr Glauben bedeutete ihnen mehr als nur Worte und Gedanken, er prägte ihren ganzen Lifestyle.

New life

Und Jesus sieht diesen Glauben. Er sieht ihre Taten, aber er sieht noch mehr. Er kann in ihre Herzen blicken und sieht ihr Vertrauen in ihn. Die Männer hatten den festen Glauben, dass er ihrem Kumpel helfen könnte. Und weil sie so tief glaubten, heilte Jesus ihren Freund. Aber das eigentlich viel größere Geschenk ist: Er vergab ihm seine Fehler. Er befreite ihn von all dem Mist, den er in seinem Leben gebaut hatte und den er mit sich rumtrug. Jesus schenkte diesem Menschen ein neues Leben. Ein Leben in dem er einfach rennen konnte, wenn ihm danach war. Und ein Leben, das mit dem Tod noch lange nicht vorbei war. Ewiges Leben, Leben in Fülle.
Dem Gelähmten wurde letztendlich also doppelt geholfen: Hier auf der Erde wurde ihm das Leben erleichtert und bis in alle Ewigkeit wurde er mit Gott versöhnt. Und das alles nur, weil er und seine Kumpels auf Gott vertrauten. Weil sie ihren Glauben nicht nur glaubten, sondern Dächer dafür einrissen.

Der Schritt aufs Wasser
Inwiefern ist das auch für uns wichtig? Dass Jesus den Gelähmten heilte, zeigt doch, dass er uns schon hier auf der Erde helfen will. Das gleiche Wunder das Jesus für diesen Mann tat, will er auch für dich tun Er will dich befreien. Von allem, was dich bindet und dich daran hindert, der Mensch zu sein, als den er dich geschaffen hat. Er will dir einen Neuanfang schenken, ein ewiges Leben, eine Beziehung zum König der Könige. Er will die Kraft des Schöpfers dieses Universums in deinem Leben freisetzen. Und er will Großes mit dir reißen. Denn er hat dich aus einem ganz bestimmten Grund geschaffen. Für das größte Abenteuer dieser Welt. Und es beginnt mit diesem ersten Schritt. Auf Jesus zu. Gott ist schon so viele Schritte auf dich zugekommen, er ist selbst Mensch geworden und kam in den Dreck dieser Welt, um dir nahe zu sein. Aber diesen einen letzten Schritt in seine Arme musst du selbst gehen. Es ist ein Schritt über die Brüstung des sicheren Bootes. "Auf dem Wasser laufen?", der spinnt doch... Aber ist nicht genau das Glauben? Vertrauen, dass du nicht einsinken wirst. Sondern, dass Gott mit dir durchstarten wird. Und zwar so richtig. Ich hab das erlebt, und erlebe es jeden Tag aufs neue, seit ich diesen Schritt gegangen bin. Und ich kann sagen: Es lohnt sich! Es braucht Mut, loszulaufen. Aber braucht es das nicht immer?
Was du entdecken wirst kann dein Leben auf dem Kopf stellen, aber es wird dir neue Perspektiven geben, einen Sinn und eine Bestimmung. Auch über den Tod hinaus.
Auf dich wartet die Reise deines Lebens. Das ist es, was Glauben ausmacht.

Be blessed
Manuel



Bildquelle: https://lviewer.com/youversion

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