Wenn Gott tot wäre

Lesedauer: 4min

Gedanken von einer Welt ohne Gott

Die meisten Fragen im Leben lassen wir nicht zu, aus Angst, uns könnte die Antwort nicht gefallen. Wenn es zum Beispiel keinen Unterschied gäbe zwischen einem Leben mit Gott und einem Leben ohne Gott. Ein Gedankenexperiment.

Hey du,
was, wenn mir ein Leben ohne Gott attraktiver erscheinen würde? Wenn das Leben ohne ihn stressfreier wäre? Vielleicht sogar logischer?
Auf der anderen Seite: Wenn ich wirklich glaube, dass Gott lebendig ist, wenn er in Jesus Christus Mensch geworden ist, gestorben und vor allem: wenn er auferstanden ist, also heute tatsächlich immer noch real und erfahrbar ist - warum sollte ich vor dieser Frage Angst haben?
Wenn das so ist, dann kann diese Fragestellung die Chance sein, diesen Gott noch einmal ganz neu kennenzulernen... und zu entdecken, warum es sich lohnt, mit ihm zu leben. Also wage ich es: Wie wäre mein Leben, wenn es Gott nicht gäbe?

Was sich alles nicht ändern würde
Klar ist: Es gibt eine ganze Menge, das sich nicht ändern würde. Weil ich es nicht Gott zuliebe - und trotzdem voller Hingabe mache. Sei es aus Liebe zu einem meiner Hobbys oder aus dem Wunsch, anderen ein guter Freund zu sein. Ich könnte hier kühn behaupten, dass ich mir als Christ weniger Gedanken über mein Geld, Online-Games oder das nächste superheiße Smartphone mache. Das ist aber nicht so. Diese Dinge haben nichts mit meiner Gottesbeziehung zu tun.
Nicht mal für meinen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn bräuchte ich Gott. Immer wieder inspirieren mich Menschen, die nicht gläubig sind, mit ihrer Geradlinigkeit im Kampf gegen systematische Gewalt an Menschen in der ärmeren Hälfte der Welt, gegen Raubbau, Ausbeutung und Zwangsprostitution. Oder Menschen, die sich für den Schutz dieser wunder vollen, und schönen Welt, unseres Planeten einsetzten. Vielleicht wäre ich einer von ihnen. Vor allem wüsste ich dann definitiv, für wen ich es tu: für die Menschen und nicht als bloße Pflichterfüllung, weil ich das als Christ eben muss.

Careless, fearless, limitless?
In anderen Bereichen hätte ich es sogar definitiv besser. Ich könnte am Sonntag ausschlafen und in Ruhe mit meiner Familie frühstücken. Ich könnte freitagabends mit den Jungs feiern gehen, als mit ein paar Freunden in den Jugendkreis zu gehen. Vielleicht wäre ich auch erfolgreicher, weil ich längst gelernt hätte, auch mal die Ellbogen auszufahren und das Maximum aus Situationen herauszuholen. Ohne Rücksicht auf andere. Ohne schlechtes Gewissen. Vielleicht würde ich mir bei manchen Entscheidungen im Leben auch nicht so einen Kopf machen, weil nicht alles "richtig" und von Gott abgesegnet sein müsste. Manchmal denke ich, Gott lässt mich zögern. Als habe er mich zu einem vorsichtigeren Menschen gemacht. Das muss nicht falsch sein, aber es gibt den Dingen mehr Gewicht als sie verdienen. Ich könnte auf der ein oder anderen Sommerparty einfach gedankenlos trinken und mich gehen lassen, ohne gleich das Gefühl zu haben, mich dafür vor jemandem rechtfertigen zu müssen. Mein Leben wäre also in mancherlei Hinsicht eindeutig leichter.

Warum trotzdem nicht alles besser wäre
Und dann gibt es die andere Seite. Das sind diese Momente, in denen ich froh bin, nicht von klein auf, in eine Beziehung mit Gott erzogen worden zu sein. Denn ich kann mich an eine Zeit erinnern, in der ich ohne Gott durch meinen Alltag kommen musste. Eine Zeit, die nicht besser als die mit Gott war.
Rückblickend würde ich sagen: Ich war ein anstrengender Typ. Einer von denen, die auffallen wollten, um dazuzugehören. Die ständig gegen das Übersehen werden ankämpfen. Denen aus jeder Pore "Los, lieb mich, schätz mich, nimm mich an!" quillt. Ich brauchte Anerkennung. Was hab ich mir für peinliche Dinger geleistet, nur um im Mittelpunkt zu stehen. Wenn ich beim Sport nicht der Beste war, fühlte ich mich schäbig. Es fehlte nicht an Ehrgeiz, schon gar nicht Begabung. Aber ständig hatte ich die Angst zu scheitern, schlecht dazustehen, meinen Ruf zu verlieren. Verbissen und so fast Profi - das war nicht genug, mich wohl in meiner Haut zu fühlen.

180 Grad
In diesen Bereichen hat Gott mein Leben ganz schön auf den Kopf gestellt. Lebenswende bedeutet. Mit mir selbst leben zu können. So wie ich bin. Mir nichts beweisen zu müssen. Mich geliebt zu wissen. Mich nicht ständig steigern zu müssen. Es ist gut so, wie es ist.
Ich bin mir sicher: Würde ich immer noch ohne Gott leben, ginge es mir heute nicht anders als damals. Ich wäre auf mich allein gestellt.
Ich würde fordern, fordern, fordern, die Welt müsste sich um mich drehen - Freunde, Familie: Ich würde sie hoffnungslos überfordern. 
Und zuletzt: Ich hätte keine Hoffnung auf ein Leben über den Tod hinaus. Meine Zukunft wäre begrenzt. Alles, aber auch alles, was ich brauche, würde ich aus diesem einen Leben herauszuquetschen versuchen. Denke ich zurück an den hohlen Ehrgeiz meiner Kindheit - ich würde verzweifeln beim Gedanken, mein Leben in Mittelmäßigkeit zu verplempern und am Ende mit leeren Händen dazustehen.

Ohne Jesus ist alles sinnlos
"Angenommen, es gibt wirklich keine Totenauferstehung: Dann ist auch Christus nicht auferstanden.
Und wenn Christus nicht auferstanden ist, ist es sinnlos, dass wir das Evangelium verkünden, und sinnlos, dass ihr daran glaubt." (1. Korinther 15, 13-14)
Paulus bringt es auf den einen Punkt. Ohne einen lebendigen Gott, ohne den auferstanden Jesus wäre alles sinnlos. Jesus wäre dann lediglich ein Vorbild, an dem man sich orientieren kann. Sätze wie "Liebe deinen Nächsten wie dich selbst" wären moralische Imperative, die nur noch mehr Druck aufbauen - zumal zu hinterfragen wäre, wie gut es wirklich wäre, unsere Nächsten wie uns selbst zu lieben, wenn wir gerade mit der Selbstliebe unser allergrößtes Problem haben. Auch die Bergpredigt wäre nicht mehr als eine bittere Moralpredigt.
Unser Glaube wäre eine Illusion. "Die Schuld, die ihr durch eure Sünden auf euch geladen habt, liegt dann immer noch auf euch." (1. Korinther 15, 17). Wäre also Jesus nicht von den Toten auferstanden, würde ich mit allem Dunkel in meinem Leben, mit meiner Schuld, meinem Versagen, aber auch mit meinen Verletzungen allein bleiben. Und selbst, wenn ich mich bemühen würde, schlechte Dinge durch gute Taten auszugleichen, weiß ich letztlich genau: Alle meine Versuche, mit diesen Dingen selbst fertigzuwerden, würden scheitern. Ebenso, wie sie in meinem Leben ohne Gott zum Scheitern verurteilt waren.

Gott würde fehlen
Was mir fehlen würde, wenn es keinen Gott gäbe?
Mir würde ein guter Freund fehlen, mit dem ich über alles und zu jeder Zeit reden kann.
Mir würde jemand fehlen, der mir sagt: "Ich liebe Dich!". Und der dies nicht an irgendwelche Bedingungen knüpft, sondern der das sagt, einfach weil ich bin.
Mir würde jemand fehlen, der mir meine Schuld vergibt, der mir zu jeder Zeit einen Neustart ermöglicht.
Mir würde jemand fehlen, dem ich zu 100 Prozent vertrauen kann.
Mir würde jemand fehlen, der meine Verletzungen heilt und in den tiefsten Gedanken und Abgründen meines Lebens bei mir ist und mich versteht, weil er selbst die tiefsten Abgründe durchlebt und durchlitten hat.
Mir würde jemand fehlen, der meinen Blick hebt über die Grenzen dieses irdischen Lebens hinaus und die Vision eines neuen Himmels und einer neuen Welt malt. "Seht, die Wohnung Gottes ist jetzt bei den Menschen! Gott wird in ihrer Mitte wohnen; sie werden sein Volk sein - ein Volk aus vielen Völkern, und er selbst, ihr Gott, wird immer bei ihnen sein." (Offenbarung 21,3)

Was verliert man, wenn man an Gott glaubt und er gar nicht existiert? Und was verliert man, wenn man nicht an Gott glaubt und er existiert? #expectgod

Be blessed
Manuel


Bildquelle: https://lviewer.com/yesheis_

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