Berufungsfails

Lesedauer: 6min

Ähm, wie war das nochmal Gott?

Gott hat einen Plan für dein Leben. Er hat dich aus einem ganz bestimmten Grund erschaffen. So wie du bist. Mit all deinen Macken und Kanten und all deinen Talenten und Fähigkeiten. Davon bin ich fest überzeugt. Er will mit dir so richtig durchstarten und etwas in der Welt bewegen. Nur wie finden wir seine Bestimmung für unser Leben? Und was, wenn das mal so richtig floppt?!

Hey du,
hast du schon mal nach etwas gesucht und wusstest gar nicht, wie es aussieht? Das ist richtig frustrierend! Im Rewe zum Beispiel. Wenn "Chicorée" auf dem Einkaufszettel steht und man zum fünften Mal am Kosmetik-Regal entlangschlurft. Und wenn alles Suchen gescheitert ist, bekommt man von einem netten Mitarbeiter den heißen Tipp: "Chicorée? Versuchs mal beim Gemüse!"...
Wenn ich auf der Suche nach etwas bin und falsche Vorstellungen davon habe ("Ich dachte, Chicorée ist irgendwas zum Schminken und gehört ins Gesicht"), dann wird meine Suche scheitern. So ist es auch beim Thema Berufung. Wenn wir uns auf die Suche nach unserer Berufung machen, dann sollten wir falsche Vorstellungen über Bord werfen. Sonst wird die Entdeckungsreise floppen. Ich möchte hier einige Missverständnisse aufgreifen und gemeinsam mit dir durchdenken. Am Ende sehen wir etwas klarer, wonach wir suchen. Bereit?

Meine Berufung erkenne ich durch eine tiefe Stimme die aus dem Himmel zu mir spricht
Stell dir vor: Im Traum bekomme ich eine Vision. Ein Engel erscheint mir und sagt: "Manu!" "Ja, Sir?" "Du bist zu etwas Großem berufen! Geh nach Frankfurt, dort wartet ein Flieger auf dich. Steig ein und flieg nach Haiti. Gründe dort ein Waisenheim. Nächstes Jahr werde ich dir wieder erscheinen und dir sagen, wie es weiter geht." So ein Erlebnis wäre unmissverständlich - ist aber unwahrscheinlich. Natürlich kann ich mich hinsetzen und warten, bis ich eine übernatürliche Wegweisung bekomme. Wäre aber unklug.
Die Bibel lädt uns ein, Gott um Wegweisung zu bitten ("Gott, wo willst du mich gebrauchen?"). Und gleichzeitig mutig dort anzupacken, wo Not ist.
Wir dürfen darauf vertrauen, dass Gott uns den Weg zeigt, den er mit uns gehen möchte. Das kann auch durch Bibelverse passieren. Durch andere Menschen. Durch Aufgaben und Dienste in der Gemeinde, wo ich mich einbringen kann.Oder sonst irgendwelche vollkommen verrückten Wege. Aber glaub mir,
Gott findet immer einen Weg dir seinen Weg zu zeigen.
Wir müssen also nicht aus Angst, Gottes Plan für unser Leben zu verpassen, zu Hause sitzenbleiben, sondern dürfen getrost loslaufen. In der Sicherheit, dass Gott uns seinen Plan für uns zeigen wird.

Meine Berufung ist hollywoodreif
Gott hat Großes mit mir und mit dir vor. Das glaube ich von ganzem Herzen. Aber für Gott heißt "groß" nicht unbedingt das, was ich mir manchmal darunter vorstelle. Es geht bei meiner Berufung nicht darum, berühmt zu werden, viel Einfluss zu haben oder möglichst abgefahrene Dinge zu machen. Es geht nicht darum, dass eines Tages Biografien über mich geschrieben werden. Sondern darum, ein Leben zu führen, das Gott maximal verherrlicht und ihm Freude macht. "Groß" heißt, ihm zu dienen mit den Möglichkeiten und Gaben, die er mir geschenkt hat. Ich finde es richtig ermutigend und herausfordernd, wenn ich Christen erlebe, die sich voller Leidenschaft für Gottes Reich einsetzen, ganz ohne den Applaus oder das Rampenlicht zu suchen. Die auch da viel investieren, wo es kaum jemand mitbekommt. Und genau hier erleben sie Erfüllung und Freude. Gottes Berufung führt manche Christen auf riesige Bühnen und Bestsellerlisten, und manche zurück dorthin, wo sie herkamen, zu ihren Freunden, Familien und Sportvereinen. Und doch machen sie alle am Ende einen Unterschied. Denn in ihnen allen brennt das Feuer Gottes und wo sie hinkommen ist Licht.

Meine Berufung beginnt in der Zukunft
Hast du dir mal überlegt, wo du gerne in zehn Jahren wärst? Wenn es um Berufung geht, dann geht es immer auch darum, was wir für Visionen und Träume haben. Das beflügelt uns. Das treibt uns an. Und es kann uns helfen, jetzt schon wichtige Weichen zu stellen. Vielleicht denkst du aber auch  mit ganz anderen Gefühlen an die Zukunft. Vielleicht denkst du nicht besonders gerne an das, was noch vor dir liegen könnte. Du fühlst dich unsicher und befürchtest, überfordert zu werden. In beiden Fällen sollten wir uns bewusst machen: Unsere Berufung hat nicht nur mit der Zukunft zu tun.  
Gottes Plan für unser Leben beginnt nicht irgendwann. Wir sind schon mittendrin.
Heute ist der Tag, an dem wir Gott unsere Liebe zeigen und ihm dienen können. Heute ist der Tag, an dem er uns gebrauchen möchte.

Meine Berufung macht mir bestimmt Angst
Was kommt auf mich zu, wenn ich mich Gott ganz zur Verfügung stelle? Muss ich dann Sachen machen, die ich gar nicht will? Muss ich ins Ausland? Nach Afrika? Während ich mir diese Fragen stelle, habe ich die abenteuerlichen Missionarsgeschichten vor Augen. Wie Christen weit weg von Strom, Wasser und Handyempfang in Hütten wohnen. Und ich frage mich: Was ist, wenn Gott Dinge von mir möchte, die ich mir beim besten Willen nicht vorstellen kann?
In solchen Situationen will ich mir bewusst machen, dass Gott mich besser kennt, als ich mich selbst. Er kennt meine Sorgen, meine Vorstellungen vom Leben und meinen kleinen Horizont. Und er sieht noch viel mehr: Er sieht mein ganzes Potential, alles, was noch in mir steckt, was ich jetzt noch nicht sehe.
Wenn ich mich auf Gott einlasse, wird er mich vielleicht manchmal aus meiner Komfortzone holen. Aber beginnt wahre Erfüllung nicht erst außerhalb unserer Komfortzone? Vielleicht werde ich in ein paar Jahren darüber staunen, was ich mit Gott erlebt habe. Wie sich mein Blick geweitet hat. Aber ich muss mich jetzt nicht davor fürchten, weil mein Schöpfer am besten weiß, zu was ich bereit bin. Und zu was (noch) nicht.

Meine Berufung muss Copy and Paste sein
Wir brauchen Vorbilder. Gute Vorbilder helfen uns, im Glauben vorwärts zu kommen. Sie inspirieren uns. Sie geben uns eine Vorstellung davon, wie man Gottes Ideen, die in der Bibel stehen, im Alltag umsetzen kann. Die Gefahr dabei: Manchmal denken wir vielleicht, wir müssten genau so wie sie sein. Wir wünschen uns auch genau die Gaben, die sie haben. Wollen auch das erreichen, was sie erreicht haben. Aber Gott kennt kein Copy-Paste. Er hat dich als ein Unikat erschaffen. Mit deinen Genen, deinem Charakter, deinem Aussehen, deinen Talenten, Möglichkeiten und deinem Umfeld. Du kannst in deinem Umfeld Dinge bewegen. Und das, wie kein anderer Mensch. Vorbilder sind gut - aber wir sollten offen dafür sein, mit Gott ganz neue Wege zu gehen!

Meine Berufung ist ein Stecknadelkopf

Wenn ich davon ausgehe, dass meine Berufung von Gott bis ins kleinste Detail festgelegt ist und ich diesen 'Stecknadelkopf' exakt treffen muss, dann ist Frustration vorprogrammiert. Dann werde ich in der ständigen Unsicherheit leben, ob mich Gott gerade irgendwo anders haben will. Nicht, dass ich seine Bestimmung für mein Leben verpasse...
Natürlich ist es wichtig, große Entscheidungen mit Gott zu bereden. Aber manchmal braucht es einfach Mut, gute Dinge anzupacken. Und darauf zu vertrauen, dass Gott es irgendwie zeigen wird, wenn andere Aufgaben auf uns warten. Diese Einstellung ist ziemlich befreiend. Dann frage ich nicht: "Soll ich das wirklich tun?", sondern: "Spricht etwas dagegen?" Und diese Frage ist oft leichter zu beantworten. Unsere Berufung ist nicht völlig beliebig. Sie ist aber auch kein Stecknadelkopf. Ich glaube, die Wahrheit liegt dazwischen.

Fang an
Gott ist ein liebender Vater, der unsere Stärken und Schwächen genau kennt. Er wird uns nicht überfordern. Er wird keine Dinge von uns verlangen, für die er uns nicht ausgerüstet hat. Gleichzeitig ist er allmächtig. Er kann durch uns Dinge bewirken, die wir uns nie erträumt hätte. Und er will mit uns sein Reich bauen! Er hat Großes mit dir vor! Aber wie können wir heute große Dinge für ihn tun? Wie können wir unsere Berufung jetzt schon leben - mit unseren bescheidenen Möglichkeiten?
Jesus zeigt uns, wie er sich das vorstellt: Er erzählt ein Gleichnis, in welchem verschiedene Diener von ihrem Herrn Aufgaben bekommen. Und jeder Diener, der treu seinen Mini-Job getan hat, bekommt eine größere Aufgabe. Der Verantwortungsbereich wächst also Schritt für Schritt. "Da sprach sein Herr zu ihm: Recht so, du guter und treuer Knecht, du bist über wenigem treu gewesen, ich will dich über viel setzen!" (Matthäus 25,21). Wo wir uns als treu bewähren, legt Gott uns größere Aufgaben in die Hände. Für Gott sind also auch die kleinen, unscheinbaren Dinge wichtig, die wir jetzt tun. Er nimmt sie wahr. Er hat Freude daran. Er hat uns mit richtig starken, einzigartigen Fähigkeiten und Talenten ausgestattet, die wir immer mehr entfalten, je mehr wir sie gebrauchen.

Step by Step
Ich und du, wir haben eine Berufung - aber wenn wir deshalb denken, wir müssen heute die Welt retten, morgen zehn Gemeinden gründen und übermorgen haben sich durch uns hunderte bekehrt, dann werden wir ziemlich schnell frustriert sein. Dann werden wir im Alltag scheitern. Genau wie die Suche nach Chicorée zwischen Concealer, Mascara und Haarspray. Chicorée ist nämlich ein Blattgemüse. Und Berufung ist ein Weg, den Gott mit uns gehen will. Von einem Tag zum nächsten. Von kleinen Verantwortungsbereichen zu größeren. Von kleinen Glaubensschritten zu größeren. Step by Step. Und du steckst bereits mitten drin. Also, worauf wartest du noch?

Berufung ist die Einladung, sich in Gott zu verlieben und diese Liebe unter Beweis zu stellen. - Mutter Teresa

Be blessed
Manuel


Bildquelle: https://lviewer.com/youversion

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