Warum ich Terroristen liebe (TDW 36/2018)

Lesedauer: 5min

Von der krassen Herausforderung seine Feinde zu lieben

Dieser Text ist eine Provokation an uns alle. Und trotzdem bin ich fest davon überzeugt, dass seine Botschaft die Macht hat, nicht nur unsere Beziehungen und Freundschaften zu verändern, sondern die ganze Welt! Bist du bereit?
Lies bitte zuerst: Matthäus 5, 43-48

Hey du,
bääm, das haut rein, oder? Jesus lehrte in seinen Reden etwas, das noch nie vorher gehört wurde. Was es in keiner anderen Religion, in keiner Kultur gibt. Du sollst deine Feinde lieben. Irgendwie eine ziemlich verrückte Vorstellung, oder? Du sollst denen vergeben, die dir böses tun.
Als Jesus ohne Schuld gekreuzigt wurde, hat er zu Gott gebetet: "Vater, vergibt ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun." Die Vergebung ist einer der Mittelpunkte, in Jesus Leben. Und das stellt alles andere auf den Kopf. Jesus sagt: Wenn einer dir auf die linke Backe schlägt, dann halte ihm auch die rechte hin. Damit meint er nicht, dass du dich nicht wehren darfst. Aber er meint: Wenn jemand dich beleidigt, gib's ihm nicht zurück. Denn er wird sich wieder beleidigt fühlen und wird wieder andere beleidigen.
Ist es nicht an der Zeit nachzudenken, dass das vielleicht nicht die Lösung sein kann? Seinen Feind zu vergelten?

Entgegen aller Normen
Der einzige, der einen Ausweg lehrt, war Jesus. Jesus hat gesagt: "Du sollst deine Feinde lieben!" Und damit meinte er nicht nur das große Politische. Er spricht auch zu dir in deinen Alltag. Warum vergibst du nicht deinem Freund? Warum vergibst du nicht deinem Bruder. Deinen Eltern. Und sagst: "Ich vergebe dir." Warum tun wir das? Weißt du warum? Weil wir Angst haben dadurch unsere Autorität zu verlieren, unser Ego zu verletzen.
Was Jesus aber sagt ist völlig revolutionär! Etwas nie da gewesenes. Denn seine Feinde zu lieben bedeutet, auf genau dieses Ego zu verzichten und sich nicht über sie zu stellen, sondern sie mit der Liebe zu lieben, mit der Gott sie erschaffen hat. Jesus sagt nicht: "Werdet wie eure Feinde, ordnet euch ihnen unter oder nehmt ihre Meinung an!" Sondern: "Liebt sie." Als Geschöpfe Gottes. Behandelt sie mit Respekt und Verständnis für ihre Fehler.
Das kann manchmal extrem herausfordernd sein. Aber:
Ich glaube wenn wir anfangen, Jesus nachzufolgen und diese Worte leben hat das die Macht, nicht nur unsere Beziehungen und Freundschaften zu verändern, sondern die ganze Welt!
Lass mich dir zeigen, wie revolutionär und provozierend liebevoll das in unserer Zeit aussehen kann...

Warum ich Terroristen liebe
Ja, du hast dich nicht verlesen! Ich liebe Terroristen. Aber bevor du jetzt losgehst um der Polizei das zu erzählen, bitte lies weiter.
Wie können wir die "Bösen" lieben? Wie können wir die lieben, die es nicht verdienen geliebt zu werden? Wie können wir die lieben, die Menschen verletzen? Naja, was bedeutet Liebe? Ein Mann, der sicher um einiges weiser ist als ich, ein Mann, den Martin Luther King für den Friedens Nobel Preis nominiert hat, Thich Nhat Hanh sagte einmal: "Verständnis, ist der zweite Name der Liebe." Für manche Menschen ist "Liebe" vielleicht ein zu kraftvolles Wort. Also was, wenn wir es einfach mal durch "Verständnis" ersetzen?
"Wenn wir den Terrorismus beenden wollen, müssen wir daran arbeiten ihn zu verstehen." (Noam Chomsky).
Vielleicht denkst du dir gerade: Wer bist du schon, mir etwas über Terroristen zu erzählen? Und du hast recht. Wer bin ich schon, dir irgendwas über Terroristen zu erzählen? Ich schau ja nicht mal regelmäßig die Nachrichten. Aber weißt du was mich besonders macht? Ich kenne einen Terroristen persönlich. Wir sind zusammen aufgewachsen. Um genau zu sein, kennen wir ihn alle. Es ist der Terrorist, der in jedem von uns steckt. Der, der sich an eine Überzeugung klammert und alles in seinem Weg zerstört, weil er dieser Überzeugung folgt. Jeder Anschlag beginnt in irgendeinem Kopf. Wie ein Samen der immer weiter wächst, bis ein hässlicher Baum daraus geworden ist. Jeder von uns kennt Bäume die verdreht oder krumm gewachsen sind. Aber weißt du warum sie so aussehen? Weil sie unter schwierigen Umständen gewachsen sind, und immer versuchten irgendwie nach oben zum Licht zu kommen. Menschen sind genauso. Wenn wir jemanden mit einer verdrehten oder krummen Persönlichkeit sehen, Menschen die andere verletzen und Zerstörung anrichten, tun sie das, weil auch sie in ein schwieriges Umfeld geplanzt wurden. Und auch sie versuchen, sich irgendwie zum Licht durchzuschlagen. Aber leider enden sie damit nur noch mehr Finsternis zu erschaffen.

Liebe die nicht fragt
Ich will dich herausfordern: Leg deine Hartherzigkeit mal kurz beiseite und du wirst sehen, dass jeder Mensch versucht, das Beste aus dem zu machen, was er hat. Und wenn du genau ihre Vergangenheit erlebt hättest, ihre Umstände, wenn ihr Leiden dein Leiden gewesen wäre und ihre Perspektiven deine gewesen wären, dann würdest du genau gleich denken, handeln und dich verhalten. Warum ist das so schwer zu verstehen?! Es geht nicht darum, all das zu dulden, und auch nicht dem zuzustimmen, es geht um Verständnis. Das ist Liebe.
Henry Wadsworth Longfellow hat das mal ziemlich passend auf den Punkt gebracht:
"Wenn wir die geheime Vergangenheit unserer Feinde lesen könnten, würden wir in ihnen genug Trauer und Leiden finden, um all unsere Feindschaft zu zerschlagen."
Ich bin nicht der erste, der das herausfindet: Terrorismus ist nicht das Problem. Das ist eine Lüge, die wir uns schon viel zu lange erzählen. Es gibt keine Terroristen! Es sind Menschen, die terroristische Anschläge verüben. Das ist ein Unterschied! In dem Moment, in dem du jemanden einen "Terroristen" nennst, kannst du unmöglich mehr, den Menschen dahinter sehen. Die Dinge, die ihn dazu bewegt haben. Du siehst nur noch ein bestimmtes Bild in deinem Kopf. Und wenn wir einem Bild, einer Abstraktion den Krieg erklären, dann bekämpfen wir einen Geist. Und es wird nie ein Ende nehmen. Generell, sobald wir Kriege erklären, werden wir noch mehr Kriege gegen uns haben. Es ist belegt, dass der "Krieg gegen Drogen" zu nur noch mehr Drogenhandel geführt hat. Und mit Terrorismus ist es genauso. Krieg für Frieden zu führen ist genau das gleiche, als würde man versuchen etwas kaputtes zu reparieren, indem man mit einem Hammer darauf schlägt.

Love is enough
Wenn wir verhindern wollen, dass sich Terrorismus ausbreitet, lasst und Bildung fördern und nicht Stärke zeigen. Lasst uns anstatt mehr Mauern Brücken bauen. Anstatt mehr Bomben abzuwerfen mehr Perspektiven schaffen. Was, wenn wir beginnen anstatt mehr Soldaten, Nahrung und Medizin zu schicken. Was, wenn wir uns für Nächstenliebe einsetzen würden. Ja, sie leben würden?
Weißt du, was das verändern würde? Es würde den Hass, auf dem Terrorismus und jede andere Feindschaft der Welt aufbaut, schneller beseitigen, als wir sie jemals mit mehr Bomben töten könnten.
Unsere Feinde zu lieben bedeutet nicht, uns nicht zu schützen. Unsere Feinde zu lieben bedeutet nicht, dass ihre Taten nicht auch Konsequenzen hätten. Es bedeutet auch nicht, dass wir unsere Überzeugungen aufgeben müssen. Unsere Feinde zu lieben bedeutet, ihnen mit Verständnis zu begegnen.
Denn Hass wird niemals, durch mehr Hass enden. Sondern allein durch Liebe.

Krass, oder? Aber genau das meinte Jesus damit, seine Feinde zu lieben. #reloveution

Be blessed
Manuel


Bildquelle:https://lviewer.com/youversion

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