Hoffnungsträger

Lesedauer: 6min

Hoffnung streuen im grauen Alltag

Mittwochmorgen 7:20 Uhr: Unruhig sitze ich auf meinem Bett und lese mir meine Unterlagen durch. Um 14:00 Uhr ist die Prüfung. Draußen ist es noch dunkel. Und ich bin nervös. Da piepst mein Handy: "Hey, ich denk an dich, Gott ist bei dir. Alles Gute für die Prüfung!", schreibt mir ein Freund. Wow, was für eine Ermutigung! Die Welt scheint etwas heller. Als hätte jemand das Licht angeknipst... Ein paar Stunden später komme ich erleichtert aus der Prüfung. Ein cooles Gefühl!

Hey du,
wir leben heutzutage in einer individualistischen Gesellschaft. Das eigene Wohl steht im Fokus.
Mein Talent. Meine Karriere. Mein Erfolg. Mein Leben. Wie werde ich die beste Version von mir selbst? Das ist die entscheidende Frage.
Selbstverwirklichung wird großgeschrieben.
Doch lass mich dich herausfordern.
Stell dir vor, du bist bei deiner eigenen Beerdigung und hast die Möglichkeit, deinen Nachruf zu hören. Du sitzt in der letzten Reihe, die Kirche ist gut gefüllt. Menschen stehen auf und gehen nach vorne. Du hörst jedes einzelne Wort. Was werden sie sagen?
"Er war erfolgreich und erreichte seine Ziele. Bis heute ist es mir ein Rätsel, wie er all die Dinge geschafft hat. Ich bin stolz auf ihn!"
Oder sind es doch diese einzigartigen Worte: "Er war mein Freund. Niemand hat so an mich geglaubt, wie er es tat. Durch ihn fing ich an, meine Träume wahr werden zu lassen. Er war ein Ermutiger, der mein Leben wirklich veränderte. Er brachte mich näher zu Jesus."
Es ist kein Geheimnis. Ermutiger sind beliebt. Sie leben für Andere und machen den Unterschied in einer Zeit, in der Selbstverwirklichung großgeschrieben wird. Sie machen den Erfolg von anderen Menschen zu ihrer Mission. Sie sehen das größere Bild und stehen am Ende als wahre Gewinner da.

Ermutiger, obwohl...
Die Bibel berichtet von vielen Menschen, die sich Gott und anderen Menschen hingegeben haben und die Menschen um sie herum ermutigt haben. Sie sind Hoffnungsträger, die trotz Gegenwind von Menschen den Geboten Gottes gefolgt sind. Ich denke da an David, Daniel, Hiob, Josef, Noah, Abraham, Paulus und viele andere. Sie gingen oft den schwereren Weg und stellten sich gegen den Mainstream: Noah baute ein Schiff, obwohl alle anderen ihn für verrückt erklärt haben. Paulus machte in seinem Leben eine 180°-Wende und baute anschließend eine Gemeinde nach der anderen, obwohl er einmal Jesus verfolgt hat. Was werden wohl seine früheren Verbündeten über ihn gedacht haben?! Auch wenn das alles große Vorbilder des Glaubens waren, so waren sie keineswegs perfekt. Sie erlebten Momente, in denen Versagen, Zweifel oder sogar - wie bei David - Äffären und Mord vorkamen. Normale Menschen eben - nicht mehr und nicht weniger. Doch diese normalen Menschen, die sich Gott hingegeben haben, werden zu Hoffnungsträgern. Hoffnungsträger, die bis heute große Bedeutung für uns haben.

Hoffnungsträger heute!
Aber auch heute noch gibt es viele Hoffnungsträger: Menschen, die Jesus leidenschaftlich und kompromisslos nachfolgen, auch wenn es manchmal schwer ist und sie dafür vielleicht kritisiert oder sogar verfolgt werden. Hoffnungsträger, die trotz allen Umständen den Glauben an Jesus nicht verlieren. Hoffnungsträger, die Jesus nach ihrer Berufung fragen und mutige Schritte im Glauben gehen. Hoffnungsträger, die jede mögliche Situation nutzen, um anderen Menschen von Jesus zu erzählen.
Diese Hoffnungsträger gibt es in unseren Gemeinden, in unseren Schulen, in unserer ON4U-Community. Vielleicht fällt dir direkt ein Hoffnungsträger ein? Jemand, der dich total fasziniert, weil er mit seinem ganzen Herzen Jesus nachfolgt - und das auch für andere sichtbar wird? Was, wenn du genauso werden könntest. Jemand, der ein Segen für andere ist. Eine, die ihre Umfeld durch ihre bedingungslose Hoffnung komplett auf den Kopf stellt und dadurch andere inspiriert? Jemand der trotz allen Stürmen aufrecht steht und sagt: Das Beste kommt noch! Eigentlich ist das gar nicht so schwer...

Ermutiger gesucht! 
Hoffnung verschenken ist kein Kunstwerk, sondern kann ganz einfach sein und gleichzeitig eine große Wirkung haben! Das Einzige, was man dazu braucht, sind offene Augen und Ohren und die Bereitschaft, auch mal an andere zu denken. Sich zu fragen: Wie geht es dem anderen gerade? Was braucht er oder sie wohl? Womit könnte ich ihm vielleicht ein bisschen Hoffnung schenken? Sie zum Lächeln bringen? Und dann einfach mal loslegen. Meistens ist das Ganze gar nicht so schwierig. Es reichen auch kleine Gesten und Worte. Wichtig ist nur: Es geht dabei nicht um mich, damit ich mich besser fühle oder für meine soziale Insta-Story, sondern um den anderen. Um seine Situation, seine Bedürfnisse und Nöte. Und wie in anderen Bereichen muss man das Ermutigen vielleicht erst ein bisschen üben - aber dann kann es so richtig Spaß machen, Hoffnung zu verschenken und ein Segen für andere zu sein! Denn das ist es, wozu Gott uns berufen hat: "Ich will dich segnen und du sollst ein Segen sein" (1. Mose 12,2).
Also, überleg doch mal: Was sind die Nöte, der Menschen in deinem Umfeld? Wo ist jemand überfordert mit seiner Lebenslage, wo fehlt es jemandem ganz praktisch an Erfahrung oder Weisheit, um eine Situation zu meistern? Wo ist es vielleicht dran anzupacken? Wer in deinem Umfeld könnte derzeit ein bisschen Hoffnung gebrauchen? Wen könntest du diese Woche mal ermutigen? Und wie könnte das wohl aussehen? Ich hab mal ein paar Tipps für dich zusammengeschrieben:

Überraschung!
Häufig wirkt eine Ermutigung besonders, wenn der andere gar nicht damit rechnet. Hier braucht man aber auch etwas Fingerspitzengefühl, damit du den anderen nicht zu sehr mit deiner Aktion  überrumpelst.

Ermutigungs-Ideen:
+ Mache einen Spontanbesuch bei jemandem, der krank oder allein ist
+ Ich weiß, oldschool, aber ruf doch einfach mal jemanden an, von dem du weißt, dass er sich häufig unbeachtet fühlt (z.B. jemand aus deiner Schule, Gemeinde, Familie, Nachbarschaft)
+ Biete jemandem konkrete Hilfe an, der gerade Hilfe gebrauchen könnte (z.B. beim Umzug helfen, jemandem beim Lernen helfen, für jemanden einkaufen...)
+ Lade spontan jemanden ein, dem es nicht gut geht - und dann einfach zuhören
+ Warum sich mit dem Jugendkreis nicht mal in der Flüchtlingsunterkunft oder im Altenheim treffen und dort ein Sportturnier starten oder ein paar Songs für die Bewohner singen? Oder einfach ein bisschen mit ihnen quatschen?
+ Spende Obdachlosen nicht nur was zu essen oder Hygieneartikel, sondern Zeit. Frag den alten Mann an der Ecke doch einfach mal wie es ihm geht oder was er sich wünscht. Die spannendsten Gespräche entstehen ungeplant!

Geschenkt! 
Ein Geschenk kann sehr ermutigend sein, denn es zeigt: Da denkt jemand an mich. Dabei muss es nichtmal etwas Teures sein: eine einzelne Blume, die Lieblingsschokolade oder einfach eine Karte mit einem schönen Spruch kosten sicher nicht die Welt, können aber manchmal ganz schön ermutigend wirken!

Ermutigungs-Ideen:
+ Sag jemandem "Danke", der selten ein Danke bekommt (z.B. die Putzfrau in der Schule oder der Uni, der Kassierer im Supermarkt, deine Lehrerin, ...)
+ Im Jugendkreis "Ermutigungs-Wichteln" starten: Jeder zieht einen Namen und soll dieser Person in den nächsten Tagen mit einer Ermutigung überraschen

Die besondere Nachricht 
Häufig kann man Hoffnung dadurch spenden, dass man Wahrheit in das Leben eines anderen spricht. Soll heißen: Manchmal muss jemand einfach hören, dass er nicht alleine ist, oder dass Gott ihn mag, oder dass er sich auf dich als Freund/in verlassen kann. Auf welchem Weg diese Nachricht geschickt wird, ist dann dir überlassen.

Ermutigungs-Ideen:
+ Schreib eine Ermutigungs-WhatsApp zu besonderen Anlässen und sag anderen, dass du an sie denkst (z.B.  Tod eines wichtigen Menschen, Uni/Praktikumsstart, Schulabschluss, vermasselte Prüfung, ...)
+ Ermutigenden Bibelvers oder Song verschicken
+ Im Jugendkreis Zettel mit Namen rumgeben und jeder schreibt drauf, was er an dieser Person mag und toll findet
+ Bete gemeinsam mit anderen, hört euch zu und erzählt euch, was ihr denkt, was Gott über den anderen sagt

Ablenkung & Action 
Manchmal braucht es neuen Wind in den Segeln, um ermutigt zu werden. Dann kann es hilfreich sein, gemeinsam eine Aktion zu starten oder den anderen durch etwas Aktives wieder auf andere Gedanken zu bringen. Ablenkung ist sicher keine Dauerlösung, kann aber manchmal helfen, den Blick wieder frei zu kriegen, wenn jemand gerade total mutlos ist.

Ermutigungs-Ideen:
+ Lade einen Freund zu gemeinsamer Aktion ein (Schwimmbad, Shoppingtour, Kletterhalle, Billardbattle, ...)
+ Gemeinsam zum Lernen treffen und sich helfen - und abends gemeinsam einen Film gucken
+ Überraschungsparty/-Chillout-Abend mit Freunden organisieren

Spende Hoffnung. Ganz konkret!
Hoffnug ist eines der wichtigsten Dinge in unserem Leben. Ich glaube jeder Mensch braucht Hoffnung und ich glaube jeder Mensch sollte lernen, Hoffnung weiterzugeben. Andere zu ermutigen. Und auch wenn wir das oft versuchen, hab ich in letzter Zeit festgestellt, dass unsere Ermutigung häufig nicht so richtig ankommt. Aber warum?
Lass mich ein Zitat von Erin Meyer mit dir teilen, über das ich vor einigen Tagen gestolpert bin. Ein Satz, den ich bis heute nicht vergessen hab. Und sie hat gesagt, dass wir allgemein loben, aber konkret kritisieren. Weißt du, der Gottesdienst war super, aber dieses eine Lied beim Worship hat irgendwie nicht richtig geklappt. Du bist ne coole Person, gar keine Frage, aber dieser eine Satz hat mich übelst verletzt. Ich feier deinen Einsatz, richtig gut, aber diese eine Aufgabe dort, die hast du richtig verhauen. Wir loben allgemein, kritisieren aber konkret.
Und ich glaube jeder von uns kennst solche Momente, aber genau deshalb möchte ich dich fragen: Was wäre, wenn wir unser Lob genauso konkret formulieren würde, wie unsere Kritik? In Sprüche 25, Vers 14 steht: "Wie ein goldener Apfel, dargebracht in einer silbernen Schale, so ist ein passendes Wort, das zur rechten Zeit ausgesprochen wird." So ist ein Lob, das konkret ist.

Lasst uns Hoffnungsträger sein
Und deshalb will ich dich heute herausfordern und ermutigen: Fang an, dein Mindset zu ändern. Beginne damit, von dir wegzuschauen und deinen Mitmenschen hochzuheben. Überleg dir ganz konkret, wie du die Menschen um dich herum ermutigen könntest. Lies dir nochmal die Ermutigungs-Ideen durch und dann lasst uns anfangen Geschriebenes wahr werden zu lassen. Anderen dort zu begegnen, wo Hilfe benötigt wird. Anzupacken und Liebe auszustrahlen.
Werde dieser Ermutiger, den deine Umgebung braucht. Es wird einen Unterschied machen, es wird etwas verändern. Und du wirst am Ende als Gewinner dastehen. Also lass uns heute loslegen!

"Es ist nicht wichtig, wie groß oder wie klein die Hilfe oder die Liebe ist, die man gibt. Einem Verwandten, einem Freund oder einem Fremden. Dieser Mensch wird dich nie vergessen, wegen deiner kleinen Hilfe." - Tamara Rose

Be blessed
Manuel


Bildquelle: https://lviewer.com/yesheis_

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